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Die Hospitation wurde ermöglicht durch Visit- soziotherapeutische Pflege GmbH.

22.05.2013 - Tag 22

The Transformation Center


... Folgendes hat mir die Vorsitzende des TC im Voraus zusammenfassend über das TC mitgeteilt: Das TC fördert Einrichtungen für psychische Gesundheit und Gesundheitspflege, Geldgeber, und Psychiatrieerfahrene, die in psychiatrischen Dienstleistungsunternehmen arbeiten wollen. Sie bieten evidence-based und best-practice Trainingsprogramme für Psychiatrie-Erfahrene an, die in psychiatrischen Einrichtungen als "Certified Peer Specialist" (CPS) arbeiten möchten. Das TC trainiert die Kandidaten und unterstützt die schriftliche und mündliche Prüfung. Der nächste Ausbildungsdurchgang findet im August in der Recovery Learning Community in Worcester statt, die ich mir am Anfang meiner Hospitation angesehen habe. Die CPS werden als Teil des psychiatrischen Teams eingestellt und von Steuergeldern finanziert. Das TC integriert CPS in Gesundheitsdienste, trainiert Supervisoren für CPS und unterstützt Dienste eine recoveryorientierte Praxis zu implementieren. Sie haben drei peergeleitete Standorte, die als Treffpunkt dienen. Jeder Beschäftigte des TC hat die Erfahrung einer psychischen Erkrankung gemacht.

Die Reiseverkehrskauffrau meines Vertrauens in Deutschland sagte bereits als ich auf der Suche nach einem Hostel war, dass Roxbury eines der „unsicheren“ Viertel ist. Daher war ich gespannt. Ich habe ein Taxi benutzt, da ich mit U-Bahn und Bus 45 Minuten gebraucht und drei Mal hätte umsteigen müssen und mit dem Taxi im Endeffekt günstiger und schneller war. Gerade als ich während der Fahrt dachte, dass ich hier nicht tot über dem Zaun hängen möchte, hielt das Taxi und wir waren da. Aber es stellte sich als halb so schlimm heraus, aber wahrscheinlich sollte man sich hier nicht alleine im Dunkeln herum treiben. Als ich dann den Eingang zum TC gefunden habe und eingetreten bin, sah das Ganze schon anders und sehr freundlich aus. Ich wurde sofort in perfektem Deutsch und sehr sehr freundlich empfangen und habe eine kleine Tour durch die Büroräume bekommen und mir wurden die bis dahin anwesenden Mitarbeiter vorgestellt. Zu Beginn des Teammeetings hat sich jeder kurz vorgestellt und berichtet was seine Aufgabe beim TC ist. Das TC ist eine Einrichtung, die sehr engagiert ist Peers zu unterstützen und Institutionen recoveryorientiert zu werden. Daher war es schwer einen erneuten Kontakt herzustellen, wie oben beschrieben, da sie die Büroräume nicht regelmäßig nutzen, sondern überwiegend überall im Land in der Gesellschaft unterwegs sind. Sie versuchen Menschen mit gelebter Erfahrung zusammen zu bringen und einen Austausch zu ermöglichen. Dabei unterstützen sie auch verschiedene „Gruppen“ von Menschen. Einige waren beispielsweise für die besonderen Bedürfnisse junger Menschen zuständig. Eine der Mitarbeiterin war sehr jung und ich fragte sie, ob es für sie ein Vorteil ist jung zu sein, wenn sie sich um die jungen Menschen kümmert. Und sie antwortete, dass sie als Modell fungiert und sie am liebsten in die Welt herausrufen möchte: „Recovery is possible. Und lasst Euch von niemandem etwas anderes erzählen!“ Zwei gehörlose Mitarbeiter und zwei Dolmetscher waren bei dem Treffen ebenfalls zugegen und kümmern sich um die Peerarbeit von gehörlosen Menschen mit psychischen Erkrankungen. Es war sehr interessant die englische Gebärdensprache beobachten zu können. Da die Klinik (s. Blog-Roll), in der arbeite eine der zwei einzigen psychiatrischen Kliniken in Deutschland ist, die eine spezielle Abteilung für gehörlose oder schwerhörige Menschen hat und ich während meiner Ausbildung vier super interessante Wochen dort lernen durfte, war es interessant zu zusehen und mit den beiden zu sprechen. (Ich kann jetzt „Happy Birthday“ in Gebärdensprache singen. :) Liebe Antje, ich werde es Dir am 3.6. zeigen und Du musst den deutsch/englisch Vergleich machen.) Je eine Mitarbeiterin kümmert sich zudem um die Peers mit lateinamerikanischem bzw. afroamerikanischem Hintergrund. Der Grund dafür ist, dass es für viele Menschen eine Barriere gibt einen Zugang zu Peer Unterstützungsgruppen zu bekommen, da sie eine andere Sprache sprechen, eine Behinderung haben oder ein bestimmtes Alter haben. Wie gerade gesagt unterstützen sie auch Institutionen wie z.B. psychiatrische Krankenhäuser darin Peers zu integrieren und recoveryorientiert zu werden. Sie kommen auch gerne nach Deutschland, wenn sie angefordert werden. Ich habe jetzt häufig die Worte „psychische Erkrankung/Störung“ benutzt. Die Mitarbeiter sagten mir, dass sie diese Worte nicht benutzen, da es nur ein Label ist und sie ziehen es vor zu sagen, dass es eine seelische Krise war oder eine Lebenserfahrung, da man eine Person ist und nicht „bipolar“ oder „schizophren“ ist.

Zuerst haben sie ihr Teammeeting durchgeführt und ich muss gestehen, dass ich inhaltlich nicht gut folgen konnte, da es sehr speziell um organisatorische Aspekte ihrer Projekte ging. Nachdem die Tagesordnung abgearbeitet war, hatte ich die Möglichkeit die europäische „Experienced-Involvement“-Ausbildung vorzustellen, zu der ich vorher recherchiert und eine PowerPoint-Präsentation erstellt habe. Zugegeben war das für mich sprachlich schon eine der Königsdisziplinen. 2-3 Mal haben ich verhaspelt und die armen Gebärdendolmetscher taten mit leid, weil ich selber nicht mal wusste was ich gerade gesagt habe und die beiden sollten es auch noch übersetzen. ;) Aber ich hatte mich dann immer nach eine paar Sekunden neu sortiert und habe es nochmal versucht. Sie waren sehr interessiert und haben viele Fragen gestellt und ich hatte im Anschluss daran die Möglichkeit mit dem Leiter der CPS-Ausbildung zu sprechen und mich mit ihm auszutauschen. Ich habe einen ganzen Aktenordner über das CPS-Programm geschenkt bekommen (Ich sag nur das böse Wort: ÜBERGEWICHT!) und zusätzlich noch ein kleines Buch von Mary Ellen Copeland über WRAP (Wellness, Recovery, Action, Plan). Erleichternd war, dass wir aktuell vor vielen Hürden stehen, die hier sehr ähnlich sind. Auch hier gibt es Ängste vor der Integration von Peer Supporter und Vorurteile. Auch hier gibt es die Gefahr, dass es bloße Alibipolitik ist und ein Missbrauch befürchtet wird. Vielleicht kann eine Vernetzung daher helfen miteinander zu lernen. Viele sind übrigens auf http://www.linkedin.com/ vernetzt und man kann auf diesem Berufsforum (das ich heute erstmals kennengelernt habe) über Grenzen hinweg gemeinsam diskutieren.

Mir wurde noch einmal die Wichtigkeit der Peer Supporter deutlich. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber es ging darum auf gleicher Augenhöhe kommunizieren zu können und den gleichen Background zu haben. Für sie sind Peer Supporter Rollenmodelle, die Hoffnung symbolisieren. Viele berichteten, dass sie von den professionellen Helfern immer gehört haben: Nimm deine Medikamente und vermeide Stress. Einer der Mitarbeiter sagte mir, dass man, wenn man in einer seelischen Krise ist, nicht noch andere Menschen braucht, die einem sagen, was man nicht schafft und was an nicht kann, da man häufig selbst so denkt. Man braucht jemand der fragt was man für Ziele hat und sagt: „Okay, gehen wir das an. Du kannst es schaffen. Lass uns herausfinden, wie es funktionieren kann.“ In ihrer Vergangenheit waren das meistens Peers statt professionellen Helfern, die so gehandelt haben. Sie berichteten mir, dass hier viele Menschen aus dem Krankenhaus entlassen werden und einen Termin beim Psychiater und einen Termin beim Psychologen bekommen, die sie dann zwei Wochen nach der Entlassung erstmals aufsuchen können. Zumindest beim Psychiater sei das dann häufig 5-Minuten-Medizin. Alles andere fällt hinten runter. Daher engagiert sich das TC sehr in die Kliniken zu gehen und die Menschen zu informieren, dass es sie gibt, dass es RLCs gibt und dass es weitere Foren zum Austausch gibt. Das TC organisiert zum Beispiel verschiedene Aktivitäten, wie „stories with purpose“-Events, wo z.B. junge Menschen einander ihre Recoverygeschichten erzählen.

Mir wurde zudem noch einmal bewusst wie wichtig die Sprache ist und wie häufig wir eine Sprache verwenden, die stigmatisiert und psychiatristiert. Und häufig ist dies unbewusst ohne dass wir stigmatisieren wollen. Teilweise ist es auch eine der Anforderungen an unsere Dokumentation in einem psychiatrischen Fachjargon zu schreiben. Ich denke, dass man als Institution durch eine Zusammenarbeit mit dem TC oder Peers generell sensibler dafür wird. Im TC fragen die Mitarbeiter beispielsweise nicht „What`s wrong with you?“, sondern „What happened to you?“, da sie diese negative, defizitorientierte Art zu kommunizieren nicht für sinnvoll und hilfreich halten. Ein Mitarbeiter berichtete, dass er die Unterhaltung zweier professioneller Helfer eines Krankenhauses bei einer seiner stationären Aufnahmen hörte, die über ihn sagten: „Oh nein, ist der schon wieder da!“. Aber niemand fragte „Wie haben sie es geschafft so lange gut zu Hause zurecht zu kommen? Das ist super. Lassen Sie uns da ansetzen und sehen wie es wieder gut weitergehen kann!“. Er hat lediglich die Erfahrung gemacht, dass die Helfer gesagt haben „Wir müssen ihre Medikation ändern/erhöhen. Sie hatten einen Rückfall.“ Schlimme Erfahrung, wie ich finde.

Gegen Mittag haben die Mitarbeiter ein kleines puerto-ricanisches Büffet bestellt, das super lecker war und ich hatte beim Essen die Gelegenheit noch einige Kontakt zu knüpfen und die vielen Fragen über das scheinbar spannende Leben in Deutschland zu beantworten. ;)  

Alle haben sich sehr über meine Mitbringsel gefreut, haben interessiert in den Bildband über Deutschland gesehen und Fragen dazu gestellt und alle haben sich total über die Milka Schokolade, die Mozartkugeln und die Gummibären gefreut. :) Hab mich auch ein bisschen gebauchpinselt gefühlt, dass mir viele zurückmeldeten, dass ich eine sehr nette, weise, „open-minded“ Gesundheits-und Krankenpflegerin zu sein scheine und sie mich als change-agent sehen. Das war sehr süß und ich habe mich sehr gefreut. Geht runter wie Öl. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und hab zum Abschied sogar eine Umarmung, viele Visitenkarten und erneut das Angebot mich bei Fragen melden zu können, bekommen.

Nach diesem gelungenen Tag muss ich Euch leider die Mitteilung machen, dass es mein letzter Praktikumstag auf meiner Boston Reise war. Da ich Marianne anstatt vier geplanten Tagen nur quasi zweimal gesprochen habe, und das TC anstatt fünf geplanten Tagen nur einen Tag besuchen konnte, fällt es unverhofft etwas kürzer aus als geplant. Ich hatte insgeheim gehofft, dass das TC mir heute anbietet vielleicht einen weiteren Tag kommen zu können, aber das hat sich nicht erfüllt. Aber da mein Kopf noch voller Eindrücke und mein Koffer voller Bücher und Handouts ist, werde ich wahrscheinlich noch ein Jahr was zu lesen und jahrelang was zum Nachdenken haben. In den nächsten Tagen werde ich versuchen ein Resümee zu ziehen und meine wichtigsten Eindrücke zu schildern. Vielleicht bleibt ihr also noch ein paar Tage an Bord?! Ich würde mich freuen.

Eure Regine

P.S.: Bin ein bisschen müde heute Abend. Ich entschuldige mich, wenn mein Beitrag etwas unstrukturiert wirkt. Ich werfe morgen im ausgeschlafenen Zustand nochmal einen Blick drauf. ;)

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