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Die Hospitation wurde ermöglicht durch Visit- soziotherapeutische Pflege GmbH.

17.05.2013 - Tag 17

Recovery Education Center - Der letzte Tag


Das Wetter war traumhaft und daher bin ich direkt mit Sportkleidung zum Center gefahren. In der U-Bahn bin ich dadurch gerade heute aufgefallen. Normalerwiese tragen hier viele Menschen tagsüber Sportbekleidung auch wenn sie scheinbar zur Arbeit fahren. Heute war die U-Bahn aber gefüllt mit schick gekleideten Boston University-Studenten und ihren Angehörigen, da an diesem Wochenende Graduation-Day an der BU ist. Ihr wisst schon: Die schwarzen oder roten Umhänge und die Hüte mit dem Wipfel, die man aus amerikanischen Filmen kennt. Übrigens belaufen sich die Studiengebühren an der BU auf $ 45.000 pro Semester. Da waren es in Harvard dann wohl eher fifty thousand ($50000) statt fifteen thousand ($15000) Dollar, die ich ursprünglich verstanden habe. Kleiner, aber feiner Unterschied. ;)

Zurück zur Walkinggruppe: Es war eine richtig nette Runde und mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, die sehr gut zusammengepasst haben. Die Initiatoren der Gruppe haben sich sehr gefreut, dass so viele Studenten zu dieser erstmals gestarteten Gruppe gekommen sind. Am Anfang waren alle interessiert was ich in Deutschland arbeite. Es kam wieder das typische „Oh!“, als ich sagte, dass ich auf einer Station in einem psychiatrischen Krankenhaus arbeite. Im Anschluss daran kam die skeptische Frage, ob mir das gefällt und ob ich in der Position bin etwas zu verändern. Die Oh!-Reaktion ist mir immer wieder begegnet und man hatte den Eindruck, dass es für die Menschen mit schlimmen Erinnerungen verbunden ist. Während der Tour ging es danach um Alltagsthemen, aber auch um schulische Ausbildungen, die jeder absolviert hat. Bei den meisten kam irgendwann in der Erzählung der Punkt an dem es hieß „…und dann konnte ich nicht mehr weiter machen, weil ich dann krank geworden bin!“ Direkt danach kam aber auch die zuversichtliche Aussage von einigen, dass sie ja noch jung sind und dass es nicht ausgeschlossen ist, dass sie eines Tages weitermachen können. Im Recovery Education Center würden sie sehr viel lernen und darauf vorbereitet werden weitere Ziele zu erreichen und halten es daher für nicht ausgeschlossen die berufliche oder hochschulische Ausbildung irgendwann fortzusetzen. Die Teilnehmer haben sie auch gegenseitig Mut gemacht und gelobt für die Fortschritte, die sie bisher gegenseitig an sich beobachtet haben. Es war eine große Tour, die uns durch einen Wald, der scheinbar mitten in der Stadt liegt, vorbei an einem Schildkrötenteich geführt hat und wir konnten sogar vier Schildkröten sehen. Beeindruckend war mal wieder wie sensibel die Studenten auf einander geachtet haben. Es war eine stillere junge Frau dabei und ein Mann, der erst seit Dienstag erstmals im REC ist. Beide wurden immer wieder gefragt, ob es ihnen gut geht. Aber in einer taktvollen, nicht aufdrängenden Weise. Zum Ende der Tour wurden mir noch die besten Speisen, die ich unbedingt probieren muss (z.B. Muschelsuppe) und die besten Attraktionen, die ich mir ansehen muss, empfohlen.

Rückblickend kann man sagen, dass man im REC merken konnte, dass es keinen Unterschied gab zwischen den Studenten, also den Menschen mit der gelebten Erfahrung einer psychischen Krise und den Mitarbeitern. Viele der Mitarbeiter sind zudem ebenfalls Menschen, die eine Erfahrung mit einer seelischen Krise gemacht haben und damit wurde offen umgegangen und es wurde eher als zusätzliche Qualität angesehen, als darüber hinter vorgehaltener Hand schlecht zu reden. Alle Türen standen offen, die Studenten haben sich daran beteiligt das Programm zu planen, einige haben kleine Tätigkeiten übernommen wie das gießen der Blumen. Die Teeküche konnte jederzeit als „Begegnungsstätte“ genutzt werden. Werktags steht den Studenten jeder Zeit der Computerraum zur Verfügung, sofern er nicht gerade für einen Kurs benutzt wird. Über die zwanzig Terminals, die dem CPR gespendet wurden, können die Studenten ihren E-Mailverkehr erledigen, Bewerbungen schreiben oder anderweitig im Internet surfen. Marianne Farkas brachte auf dem 1. Internationalen Recoverykongress in Bern (s. Blog-Roll) das Beispiel der „Toilettendiskriminierung“ an, indem sie beschrieb, dass es in den meisten psychiatrischen Institutionen getrennte Toiletten gibt. Abgeschlossene für Mitarbeiter, für die man einen Schlüssel benötigt und eine andere Toilette für alle anderen. Wenn sie fragt weshalb die Toiletten abgeschlossen sind, erhält sie immer die Antwort, die andere Toilette wollen sie nicht benutzen, die ist extrem schmutzig. Das verdeutlicht immer wieder die Trennung zwischen „gesund“ und „krank“ und „Mitarbeiter“ und „Patient“. Für sie hat es etwas mit mangelnder Personenorientierung zu tun und damit die Menschen nicht als vollständige Menschen anzusehen. Im REC konnte man merken, dass die Menschen hier so angenommen werden wie sie sind und, dass sie sich hier auch so angenommen fühlen wie sie sind. Ähnlich wie in der Recovery Learning Community fühlten sie sich hier akzeptiert und nicht verurteilt. Man merkte richtig, dass sie willkommen sind. Die angebotenen Kurse sind sehr individuell und es ist für jeden etwas dabei. Von Sportkursen über Ernährung bis hin zu unterschiedlichen Kursen um die Erfahrungen der Erkrankung zu verarbeiten und/oder damit umzugehen. Die Begleitung der Studenten durch die Kurse ist sehr professionell, feinfühlig und individuell. Einzelkontakte schienen jederzeit möglich zu sein. Jeder darf, niemand muss. Das war etwas, dass mir auch bei dem tollen Vorbereitungsseminar bei g-plus aufgefallen ist. Es waren Teilnehmer als allen möglichen Berufsgruppen dabei, die ganz unterschiedliche Projekte (aktuell vor allem mit dem Schwerpunkt Demenz) geplant oder durchgeführt haben. Bei allen, von Neonatologie bis Gerontologie, ging es darum wie man das System oder die Institution oder die Therapie an den Menschen anpasst und nicht wie man den Menschen an die Institution anpasst. Und es steht wieder einmal im Vordergrund, die Menschen dort abzuholen wo sie stehen und sie zu unterstützen ihre individuellen Ziele zu erreichen – Job, Wohnung, Arbeit, Freunde, etc. Nebenbei nehmen die Teilnehmer auch an Studien des CPR teil, beispielsweise zum Thema „Photovoice“, zu dem ich gestern etwas erläutert habe. Alles in allem ist eine sehr gute Einrichtung, die es nicht umsonst seit 1994 gibt.

Am späten Nachmittag bin ich dann zum Quincey Market gefahren um etwas zu essen und zu bummeln und habe zwei Niederländern getroffen, die gerade mit einem Wohnwagen (womit sonst…haha) durch die USA reisen. Sie haben mir netterweise ihren Wochenendpass für eine weitere Trolleytour geschenkt, da sie heute Abend weiterfahren. Somit habe ich morgen bereits ein Gefährt um etwas die Stadt zu erkunden.

Nach dem langen Pfingstwochenende werde ich noch einmal ins CPR fahren und mich dort am Dienstag erneut mit Marianne Farkas treffen. Wir werden die Hospitation gemeinsam evaluieren und ich habe die große Ehre (sofern sie bei der Einwilligung geblieben ist) mit ihr ein Experteninterview für meine Bachelorarbeit zu führen. Ich bin schon etwas aufgeregt, da ich so etwas noch nie, und geschweige denn auf Englisch gemacht habe. Daher werde ich das Wochenende auch als mal wieder als Vorbereitungszeit nutzen.

Eure Regine

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