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28.02.2014

Wirklich? Nur noch 2 Tage bis zur Hospitation?


Die „Top 3" der Antworten auf meine Frage nach polargeeigneten Kleidungsstücken stellten sich meistens aus „Winterware ist raus!", „Brauchen Sie nicht, es ist doch warm!", bzw. „Das ist alles, was wir noch haben!" zusammen. Das „alles, was wir noch haben" beschränkte sich dann oftmals nur auf Taschenwärmer und lila Handschuhe. Mit viel Geduld und Ausdauer konnte ich meine Einkaufsliste trotzdem abarbeiten und scheine nun gerüstet für die lange Reise.

Am Sonntag wird es in aller Frühe von Düsseldorf nach Atlanta gehen, wo ich einige Stunden Aufenthalt haben werde. Dann fliege ich nach Minneapolis, auch hier werde ich einige Stunden verweilen. Von dort aus fliege ich direkt nach Saskatoon, wo ich nachts freundlicherweise von Arlene abgeholt werde. Wer jetzt errechnet hat, dass meine Reise etwa einen dreiviertel Tag dauern würde, hat die Zeitverschiebung nicht bedacht - ich werde ingesamt etwa 26 Stunden unterwegs sein. Arlene Kent-Wilkinson, die im Eröffnungspost erwähnte Professorin der University of Saskatchewan, und ihr Mann werden während des gesamten Aufenthaltes meine Gastgeber sein. Arlene wird mich in Kanada und bei meinen "forensic psychiatric facility tours" auch fachlich begleiten und beraten.

Fachlich und auch persönlich hoffe auf viele neue Erkenntnisse. Seit einiger Zeit beschäftige ich mit der deliktorientierten forensischen Milieutherapie bei Gewalt- und Sexualstraftätern. Dabei geht es in erster Linie darum, dass Hochrisikotäter mit behandelbaren deliktrelevanten Störungen die Muster ihres Tatverhaltens sowie deren Ursachen erkennen und begreifen. Daraus können sie dann bestenfalls erfolgreiche Deliktpräventionsstrategien entwickeln, die sie dann internalisieren und individuell umsetzen (vgl. Borchard, Haug 2012). In Deutschland gibt es bisher erst sehr wenig Arbeiten zu diesem Thema. Ich habe deswegen folgende Fragen im Gepäck, die ich den Kanadiern stellen möchte:

  • Wie sieht deliktorientierte forensische Milieutherapie aus?
  • Wie wird diese in Kanada umgesetzt?
  • Welchen Stellenwert hat die Beziehungsgestaltung dabei?

zum Vergrößern -> klickenIch bin gespannt auf die Antworten der kanadischen Kollegen und während ich dies schreibe wächst die Spannung und Vorfreude auf meine in weniger als achtundvierzig Stunden beginnende Reise. Als ich vorgestern noch kurz beim Chinesen eingekehrte, stand auf dem kleinen Zettel aus meinem Glückskeks: "You know where you are going to and nobody can stop you!" Wenn das kein gutes Omen ist, weiß ich es auch nicht - auf jedem Fall möchte ich meinen wissenschaftlichen Erfahrungshorizont erweitern und würde mich sehr freuen, wenn Ihr mich, liebe LeserInnen, ab nächster Woche dabei in diesem Blog begleiten würdet.

With best regards - Stefan Grunde

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