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14.08.2018 Schweiz

Die neonatologische Intensivstation - sind es viele Unterschiede zu Deutschland?

Die erste Woche meiner Hospitation auf der neonatologischen Intensivstation ist nun vorbei.
Ich arbeite während der gesamten Hospitation nur im Frühdienst.
Dieser beginnt immer damit, dass einer vom Nachtdienst, die sogenannte Schichtleitung eine allgemeine Übergabe gibt. Dazu gibt es ein Heft in dem alle wichtigen Daten über die jeweiligen Kinder stehen. Wie der Name, Schwangerschaftswoche, Diagnosen, aktuelle Atemunterstützung und deren Einstellungen und deren derzeitigen Probleme. Denn kurz bevor der Frühdienst kommt, holt sich die Schichtleitung von den jeweils zuständigen Schwestern einen Raport (das Wort für „Übergabe“ in der Schweiz). Die Daten über die jeweiligen Kinder sind außerdem noch auf einem großen Board zu sehen, auf dem alle Kinder mit ihren Eckdaten und dem jeweiligen Platz auf dem sie liegen aufgeführt sind. Außerdem gibt der Nachtdienst noch Informationen über angemeldete Kinder.

Danach teilt der Zwischendienst die Pflegefachkräfte des Frühdienstes auf die Kinder auf.
In der Schweiz gibt es auf fast jeder Station einen Zwischendienst. Derjenige hat die gleichen Arbeitszeiten, wie der Frühdienst, wird aber keinen Kindern fest zugeteilt, sondern organisiert alles drumherum und unterstützt immer da, wo gerade Hilfe benötigt wird.

Bevor ich euch mehr über die Übergabe und den groben Stationsablauf erzähle, möchte ich euch einmal virtuell über die Station führen, denn leider war es nicht möglich während meiner Hospitation von innen Fotos zu machen. Daher verweise ich euch mal auf einen Link, wo ihr euch ein Video anschauen könnt und es einen kleinen Einblick über die Station gibt:

Ich beschreibe euch einfach mal alles so gut es geht. Wie schon im vorherigen Post berichtet, befindet sich die Station direkt neben den Kreißsaal. Es trennen die Stationen nur zwei Türen. Im Eingangsbereich der Station sind Spinde für Wertgegenstände, ein Waschbecken, Wasserspender und eine riesen Fotowand, wo alle Pflegekräfte der Station sind. Die Station hat über 45 Mitarbeiter. Das liegt daran, dass in der Schweiz kaum eine Pflegekraft zu 100% arbeitet. Nach dem Eingangsbereich sind links die 3 Zimmer der Station und rechts sind Schränke und ein großer Tisch mit mehreren PCs zur Dokumentation.
Die Station hat 21 Betten. Wie schon eben gesagt, gibt es 3 Zimmer. In der Mitte ist das Intensivzimmer, dort sind die Kinder, die am intensivsten zu pflegen sind. Links und rechts daneben sind die Zimmer in denen die sogenannten „Peppelchen“ liegen. Meist sind die Kinder ohne Atemunterstützung und müssen nur noch wachsen und trinken lernen. Viele der Kinder wären bei uns in Deutschland dann nicht mehr auf der Intensivstation, sondern auf der „Peppelchenstation“, so eine Station gibt es in der Schweiz nicht. Die Kinder werden direkt von der Neonatologischen Intensivstation nachhause entlassen. Die drei Zimmer sind räumlich identisch. In der Mitte ist eine Ablage, um Medikamente aufzuziehen, Schränke mit Materialien und ein Waschbecken. Links und rechts sind jeweils 3 Plätze.
Wer jetzt mitgerechnet hat kommt dann bei 3 Zimmern a 6 Plätzen nur auf 18 Betten und ich sprach eben von 21 Betten. Nein ich habe mich nicht verrechnet auch wenn Kopfrechnen nicht zu einer meiner Stärken gehört. Denn die Station geht über einen langen Flur noch weiter über in einen sogenannten Rooming-In Bereich. Dort ist eine Küche, ein Essbereich und noch einmal 3 Zimmer. Diese Zimmer sind dafür da, wenn die Kinder kurz vor der Entlassung sind oder stabil sind und die Eltern es wünschen, dass die Eltern zusammen mit dem Kind in ein Zimmer ziehen. Das Kind ist noch genauso an der Zentralüberwachung angeschlossen, aber die Mama oder der Papa sind Tag und Nacht beim Kind. Die Zimmer haben ein eigenes Badezimmer einen Wickeltisch und sind wirklich sehr modern eingerichtet.
Ich hoffe ihr konntet meiner Stationsführung einigermaßen folgen.

Nun geht es weiter mit dem Ablauf im Frühdienst. Nachdem die Kinder aufgeteilt wurden, gehen die zuständigen Schwestern in die Zimmer und lesen zunächst einmal die Kurve und holen sich dadurch die gesamten Informationen über das Kind ein. Nur bei Rückfragen steht der Nachtdienst zur Verfügung. Dies muss ich sagen ist etwas ganz Neues für mich. Denn aus Deutschland kenne ich es so, dass die jeweils zuständige Nachtschwester an die Frühdienstschwester mündlich eine Übergabe macht. Wenn keine Rückfragen bestehen, beginnt die Arbeit für den Frühdienst.

Wie auch schon in dem Post davor, die Pflege an sich ist nicht sehr anders als in Deutschland, es sind einfach andere Strukturen die herrschen. Andere Dokumentationsbögen usw., aber das ist ein Deutschland von Haus zu Haus auch anders. Die Station hat nur Tageskurven die von 14 bis 14 Uhr geführt werden. Auch die Visite findet am PC statt und es wird jeden Tag ein aktuelles Verordnungsblatt ausgedruckt, auf dem alles nachzulesen ist. Zum Beispiel Grenzen vom Monitor, Nahrungsmenge, Medikamente usw.

Zum Thema Dokumentation habe ich auch noch einen Unterschied feststellen können. Denn es werden am PC alle Pflegeutensilien, wie Pampers, Spritzen usw. am PC eingegeben und werden dann verrechnet. Dies geschieht nicht wie in Deutschland durch Pauschalen.
Auch die Pflegekräfte müssen für ihren gesamten Dienst belegen, wie lange sie an dem jeweiligen Kind gearbeitet haben und wieviel Zeit sie für Dinge die drumherum zu erledigen sind, Zeit gebraucht haben.  

Durch die längere Dienstzeit von 7.00 Uhr bis 16.10 Uhr verändern sich natürlich auch die Pausenzeiten. Zwischen 8.00 Uhr und 9.00 Uhr findet ein sogenanntes Znüni statt. Eine 15-minütige Frühstückspause. Um die Mittagszeit ist dann nochmal eine 30minütige Mittagspause vorgesehen. Die Pausen sind in einem separaten Raum abseits von der Station. Dadurch hat man wirklich eine richtige Pause.

Die Übergabe an den Spätdienst erfolgt genauso, wie die am Morgen.
Sonst wie eben schon gesagt, ist die Pflege an sich dieselbe.

So genug erzählt. Bis dahin.

Eure Anna 

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