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29.08.2018 Tansania

Resümee ... und noch etwas Kizunguzungu (schwindelig, durcheinander)

Liebe Blog-LeserInnen,

> zum Vergrößern anklickenich habe es in den vergangenen Posts nicht so ganz geschafft, persönliches rauszulassen und meine Erlebnisse und Eindrücke neutraler darzustellen. So wird es mir jetzt mit diesem letzten Teil meines Blogs auch nicht mehr wirklich gelingen. Ich hoffe Ihr kommt damit klar ;).

Nun sind ein paar Tage nach meiner Rückkehr vergangen. Ich bin dennoch nicht ganz wieder hier. In Gedanken bin ich noch viel in Tansania. Es ist nichts bestimmtes, was mich beschäftigt - aber irgendetwas arbeitet in mir, immer noch. Vielleicht sind es Gedanken über die hier vorherrschenden "Luxusprobleme und -erkrankungen", die mich nachdenklich machen - es uns hier doch eigentlich ganz gut geht oder so was in der Richtung. Da bin ich noch nicht klar genug, um meine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen ...

Seit meiner Rückkehr aus Lutindi, ist ein Gefühl sehr präsent: Ich bin unendlich froh in Deutschland eine Heimat gefunden zu haben. Meinen Kindern eine Schulbildung ermöglichen zu können und zu wissen, dass wir mit unserem Gesundheitssystem hier grundsätzlich gar nicht mal so schlecht aufgestellt sind! Ja, ich weiß, das ist jetzt keine differenzierte Aussage. Aber ich glaube, Ihr wißt was gemeint ist. Natürlich, besser geht immer, aber erstmal bin ich mit dem zufrieden, was mit unserer Gesundheitsversorgung möglich ist. Im Vergleich mit anderen Ländern wie Tansania oder meinem Herkunftsland, sieht die Versorgung einfach unterirdisch aus.

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Meine Zeit im Lutindi Mental Hospital zu resümieren fällt mir nicht so leicht. Ich bin hin -und hergerissen zwischen wichtige Erfahrung - Achtung vor dem, was die Menschen dort bewerkstelligen und wie sie leben - den bedrückenden Eindrücken und Empfindungen, die mir noch nachhängen. Hier nun ein Resümee ohne Übertriebenheiten, Verschönerungen und Verschnörkelungen, sondern einfach nur wie es für mich war und ich es erlebt habe und schon gar nicht mit einem wissenschaftlichen Anspruch.

Die erste Frage die ich mir hierbei gestellt habe ist, sind meine Eingangsfragen zu Beginn der Hospitation eigentlich beantwortet? Ich denke nicht wirklich, ich konnte mich ihnen nur annähern. Auf der Suche nach NeuroCare in irgendeiner Form bin ich nur teilweise auf die Spur gekommen beziehungsweise wurde schnell klar, dass es NeuroCare als solches im LMH nicht gibt. Denn dort gibt es zwar einen rehabilitativen Behandlungsschwerpunkt, in dem es für die PatientInnen möglich ist, in den Werkstätten arbeiten zu können, um eine Tagesstruktur zu haben, aber diese ist überhaupt nicht nachhaltig. Da es nach der Entlassung keine Nachbetreuung gibt. Die Nachsorge maximal darin besteht, dass sie sich alle paar Monate bei den für sie weiterbehandelnden Krankenhäusern melden können, aber meist nur um weitere Rezepte für die Medikamente zu erhalten. Sehr häufig werden die PatientInnen wieder nach Lutindi überwiesen. Es ist nicht so, dass die PatientInnen nichts ändern wollen, aber es gibt zuhause keine weiteren Hilfen bei Erhaltung oder Entwicklung einer Struktur, keine Therapie und keine Motivation nicht doch wieder zu Suchtmitteln zurück zugreifen. Es gibt so gut wie keine Kontinuität in der Versorgung, da es keine weiteren Beratungen und Unterstützungen für die PatientInnen und deren Angehörigen gibt.

Eine Stabilisierung ist von kurzer Dauer, meist nur während des Aufenthaltes im LMH aufrechtzuerhalten. Die Medikamente können langfristig nicht mehr bezahlt werden oder führen zu Abstumpfung, in dem eine Veränderung erst recht nicht möglich ist. Als neurologische Erkrankung haben einige der PatientInnen des LMHs zusätzlich eine Epilepsie. Per se werden die Diagnosen gestellt und medikamentös behandelt, aber ohne wirkliche Abklärung. Ich habe kein einziges Mal erlebt, dass z.B. eine psychologische Testung/Diagnostik oder ein EEG durchgeführt wurde.

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Mein Fazit zur NeuroCare Suche, es gibt auf Dauer keine pflegerische oder anders geartete Begleitung und Unterstützung zur Bewältigung des Alltags oder eine Patientenedukation, weder während noch nach dem Aufenthalt.

Persönliche Fragen zu stellen, die über die Fakten hinaus gingen, waren schwierig. Dies kann kulturell begründet sein, da Emotionen nicht einfach nach Aussen getragen werden oder nicht einfach gesagt wird, was der Andere in Wirklichkeit denkt. Es wird dann eher in Bildern und Metaphern gesprochen. Auch Autoritätspersonen werden nicht hinterfragt oder in Frage gestellt.

Ich konnte positive Verläufe und Veränderungen einzelner PatientInnen während des Aufenthaltes beobachten. Die mich einerseits freuten und anderseits traurig stimmten, da mir bewußt war, dass sie Zuhause höchstwahrscheinlich keine Unterstützung erfahren würden. Es wäre gut, wenn die PatientInnen mehr über ihre Erkrankungen und den körperlichen Ausmaß dessen lernen und erfahren könnten, um vielleicht eine Veränderung herbeizuführen und einen Umgang damit zu finden. Auch wäre eine Einbeziehung und Aufklärung der Angehörigen dabei hilfreich.

Im Hospital gibt es keine Privatsphäre, alles ist öffentlich sichtbar, sei es das Verabreichen einer Spritze oder das Anziehen der Anstaltskleidung, egal. Man ist eine "öffentliche Person". Wobei einzuräumen ist, dass wenn die PatientInnen zuhause sind, es auch kaum bis keine Privatsphäre gibt, niemand lebt für sich, es gibt wenig Raum, meistens schläft und lebt eine Familie in einem einzigen Raum.

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Unter der medikamentösen Behandlung wirken einige PatientInnen sediert, nehmen kaum Anteil am Geschehen bishin, dass sie sich mit ihrer Umgebung assimilliert zu haben scheinen und ihre Persönlickeit mit ihrer Privatkleidung abgegeben haben. Mir kam der Gedanke, dass obwohl einige PatientInnen niedrig dosierte Medikamente erhielten, aber in Zusammenhang mit einseitiger Ernährung, sie die Medikamente anders resorbieren oder abbauen und deshalb vielleicht stärker auf die Medikamente reagierten? Nur so ein Gedanke, aber nicht näher hinterfragt.

Wie anders habe ich die PatientInnen bei ihrer Entlassung erlebt, mit der eigenen Kleidung am Körper, vollzogen sie eine Wandlung die nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar war. Wieder eine Persönlichkeit mit einem anderen Gang und Ausstrahlung, als ob sie in eine andere Haut geschlüpft wären, in die Haut der eigenen Persönlichkeit.

Einige zeigten mir deutlich, dass sie zwar entlassen werden wollten, aber nicht in die Familie zurück. Darüber konnte und durfte aber nicht gesprochen werden.

Es gab auch einige berührende Situationen die ich miterlebt habe, in denen ganz viel Lebensfreude und" Feue"r wahrnehmbar war. So haben wir z.B. spontan einen Rap Battle veranstaltet, so aus dem Effeff heraus. Es hat riesen Spaß gemacht. die PatientInnen wuchsen regelrecht aus sich hinaus. Die Texte sprachen Bände, sie handelten oft über Heimat, Alleinsein, Liebe, Zukunft und Wünsche. Im Singen war es möglich über diese Dinge zu sprechen.

Ein anderes Beispiel war morgens in der Andacht, auch beim Singen. Ich erwähnte ja schon, dass mich dieses Singen faszinierte. An einem dieser Morgen wurde ein Lied gesungen, was eigentlich immer gesungen wurde, aber jetzt war eine Patientin dabei, die sonst eher unbeteiligt wirkte. Diesmal summte sie mit und das Schhönste war wie sie sich dabei auf der Bank sitzend zu dem Gesang bewegte. Irgendwie in sich versunken, ihrer eigenen Musik zuhörend und dennoch im Rhythmus mit den Anderen. Das war unfassbar schön miterleben zu dürfen, wie ein Geschenk. Danach war sie wieder im gewohntem Zustand.

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Die PatientInnen helfen sich im Alltag gegenseitig, es gibt ein gutes Miteinander. Die MitarbeiterInnen aus allen Bereichen wissen um "ihre" PatientInnen bescheid. Untereinander gibt es weder spürbare noch sichtbare Konkurrenz, man weißt wo man hingehört und was die eigenen Aufgaben sind. Es besteht eine völlig unaufgeregte Stimmung. Die pflegerischen MitarbeiterInnen haben hier die Rolle der Zuarbeitenden, sei es den Ärzten gegenüber oder auch den MitarbeiterInnen aus den anderen Bereichen. Es fühlt sich nicht negativ, sondern mehr selbstverständlich an. Sie arbeiten autark und selbstständig mit den wenigen Mitteln die ihnen zur Verfügung stehen und das ohne große Worte. Die Dinge sind halt wie sie sind.

Man kann immer an allem etwas verbessern wollen, aber ich sags Euch, die Umstände und die Begebenheiten lassen nicht mehr zu, als das was das LMH derzeit anzubieten hat oder dort angeboten wird. Für mich haben sich daher viele Dinge relativiert, die an negativen und bedrückenden Empfindungen und Eindrücken entstanden sind.

Ich wünsche allen MitarbeiterInnen des Lutindi Mental Hospitals weiterhin viel Energie ihre Arbeit so fortzusetzen und vielleicht aus eigener Kraft bestehen und autark bleiben zu können. Meine Hochachtung an alle die dort arbeiten und danke, dass wir für eine kurze Zeit zur Familie gehören durften.

Ende

Vielen Dank an alle LeserInnen und BegleiterInnen auf meiner Reise in Tansania.

Herzlichst Nerissa

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