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31.07.2018 Zurück in Deutschland

3 Wochen Freiwilligenarbeit in Thailand - eine wertvolle Lebenserfahrung

Hallo liebe Blog – Leser,

nach über 13 Stunden Flug und einer 20 stündigen Reisezeit sind wir gestern wieder gut zu Hause angekommen. Bevor für uns beide ab Donnerstag wieder der normale Arbeitsalltag startet, ziehen wir ein letztes Fazit.

Alles in allem, hat es uns wunderbar gefallen und die drei Wochen waren eine sehr eindrückliche und bereichernde Erfahrung...

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Das "Thammapakorn" ist ein gutes Pflegeheim. Natürlich könnte man aus „Pflegewissenschaftlicher - Sicht“ vieles verbessern, aber wir denken, dass die Betreuung genau so die richtige für die Menschen dort ist. Die Bewohner wirken glücklich, sie helfen sich gegenseitig und können trotz ihrer eingeschränkten Möglichkeiten sehr eigenständig leben. Es resultiert einiges Positives „aus der Not heraus“. Dadurch, dass normalerweise nur eine Pflegende täglich da ist und nicht gleichzeitig 25 Menschen helfen kann, sind viele sehr selbstständig. Zum Beispiel können sich die Rollstuhlfahrer problemlos selbst in einen Stuhl oder auf das Bett umsetzen. Die blinden Bewohner, die auch kognitiv sehr eingeschränkt sind, orientieren sich selbst in den Räumlichkeiten und können sich sogar ohne Hilfe duschen und ihr Geschirr abwaschen. Zwischen den Bewohnern und den Pflegenden besteht ein enges und vertrautes Verhältnis. Durch die beiden Schlafsäle (Männer und Frauen) sind die Bewohner immer ganz nah zusammen und sind sehr freundschaftlich miteinander. Eine Bewohnerin liegt sehr viel im Bett und isst auch immer im Bett. Sie ist sehr dünn und deshalb setzt sich immer eine andere Bewohnerin zu ihr aufs Bett und passt auf, dass sie ihre Portionen aufisst. Dadurch, dass es nur gemeinschaftliche Sanitäranlagen gibt, duschen alle zusammen und sie haben viel Spaß dabei. All solch beschriebene Situationen und viele weitere, bestätigen unseren Eindruck, dass die Bewohner glücklich sind.

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Ein solches Heim ist in Deutschland vermutlich undenkbar. Man sollte aber mal überlegen, was Menschen im hohen Alter brauchen und möchten. Wir beide, die in einem Akutkrankenhaus arbeiten, erleben häufig alte Menschen in schweren Therapien. Für viele ist die Krankheit und das Altsein eine Qual und die Versorgung neigt häufig und schnell zur Übertherapie. Die Optionen, was alles möglich ist, stehen oft über dem eigentlichen Wunsch eines alten Menschen. Auch wenn die medizinischen und pflegerischen Möglichkeiten natürlich auch eine große Hilfe sein können. Für uns war es sehr erfüllend, eine solche Lebensfreude in einem Pflegeheim zu sehen, welches den Bewohnern materiell eigentlich nur das Nötigste bietet. Wenn in Deutschland Menschen in ein Pflegeheim kommen, ist ein Einzelzimmer mit separatem Badezimmer häufig das Wichtigste.

Was uns nicht so gut gefallen hat, ist die fehlende Eigeninitiative der Mitarbeiter. Eines Nachmittags wollten die angehenden Sozialarbeiterinnen im C Bereich (wo ausschließlich die schwer pflegebedürftigen Bewohner leben) puzzeln. Die Bewohner dort waren völlig überfordert und wir mussten mehrfach darum „betteln“ dass sie stattdessen mit den Puzzeln in unsere Gruppe kommen können. Da ihnen aber gesagt wurde, dass sie in den C-Bereich gehen sollen, sind sie zunächst nicht zu uns gekommen. Und es ging nur darum, mit den Bewohnern zu puzzeln! Generell haben wir den Eindruck, dass vor allem die Frauen sehr gehorsam gegenüber Männern, Vorgesetzten, der Regierung...sind. Das Lächeln, vor allem der Thai – Frauen wirkt oft nicht authentisch und wir hatten öfter das Gefühl, dass sie gerne mehr sagen möchten. Teilweise haben wir „übertriebene/unpassende“ Freundlichkeit erfahren.
Die Antworten in Gesprächen waren oft sehr knapp und über private Angelegenheiten werden mit Fremden, wie uns, gar nicht gesprochen. Uns wurde Unverständnis seitens unserer Dolmetscherin gezeigt wenn wir einige, für uns oberflächlichen Dingen, von den Bewohnern erfragen wollten.

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Auch die Feier zum Geburtstag des Königs war sehr irritierend für uns. Ein Staatsoberhaupt derart zu zelebrieren und ihm zu huldigen. Dies ist für uns, aus einem demokratischen und modernen Land, unverständlich. Uns erinnerte das eher an die Erzählungen aus dem Geschichtsunterricht in der Schule, als es ähnliche Zeiten in Deutschland gab. In diesem Punkt hätten wir das Land etwas moderner erwartet.

Die Organisation des Sozial- und Gesundheitssystems macht uns ebenfalls Sorgen.
Der Anblick der verarmten Häuser auf den Dörfern hat an ein Deutschland, wie es wahrscheinlich nach dem Krieg war, erinnert. Die Landschaft ist dafür wunderschön und es gibt vieles zu entdecken.

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Für uns ist Thailand ein Land, dem man anmerkt, dass es wirtschaftlich und in vielen Strukturen stehen geblieben ist und nicht voran kommt. Die Menschen sind sehr traditionsbewusst. In der Gesellschaft scheint es an vielen Dingen zu mangeln, die für uns in Westeuropa selbstverständlich sind. Gerade auch der Bildungsstand ist sehr erschreckend, auch wenn es noch viele Länder gibt, denen es deutlich schlechter als Thailand geht.

Für uns war diese Reise eine große Bereicherung, es war spannend ein Land so intensiv kennen zu lernen und die Menschen und Traditionen zu erleben. Wir haben uns sehr willkommen gefühlt und kommen gerne wieder nach Thailand, dann vielleicht um mal eine andere Region zu erkunden.

Wir bedanken uns bei allen, die so fleißig unseren Blog verfolgt haben (die Klicks haben uns sehr positiv überrascht) und das viele gute Feedback.

Ein letztes mal, viele liebe Grüße aus Halle an der Saale und aus Münster,

La Goon,
Jana und Katja

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