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02.08.2017 (Schottland)

Die Tage zwei und drei

Nach der Morgenroutine war es erst mal eine Weile ruhig. Dies gab mir die Gelegenheit die Charge Nurse der ICU und HDU Dorothy, die auch meinen Aufenthalt dort ermöglicht und die ich heute dann persönlich kennen lernen durfte, mit Fragen zu löchern. So habe ich zum Beispiel erfahren, dass auch die schottische Pflege mit Nachwuchsmangel zu kämpfen hat. Auf den Normalstationen haben die Leitungen es schwer die Stellen zu füllen, auch weil Ayr wohl ein unattraktiver Standort sei, und die Pflegekräfte lieber nach Glasgow gehen, wo es mehrere Kliniken gibt, aus denen sie wählen können. Auch habe ich erfahren, dass es lange üblich war, dass Pflegekräfte mit 55 Jahren in Rente gehen können. Dies wurde kürzlich gekippt und auf 67 erhöht. Daher versuchen alle, die davon Gebrauch machen können noch mit 55 zu gehen, so lange das möglich ist. Ich habe außerdem erfahren, dass das „NHS Scotland“ vom englischen komplett unabhängig ist. Nach Dorothys Meinung sei es auch besser. Da wir an dieser Stelle unterbrochen wurden, habe ich leider noch nicht erfahren, worin sie diese Ansicht begründet. Sie hat mir auch vom „Scotish Patient Safety Programme“ berichtet. Dies ist ein Programm das stetig daran arbeitet, die medizinische Versorgung zu verbessern. Es stellt Prävention stark in den Vordergrund. Dadurch konnten, nach Dorothys Erfahrung, u.a. die Zahlen von Pneumonien und Sepsen reduziert werden. Es führe jedoch auch dazu, dass die Fälle die dann auf der ICU landen, immer extremer werden. Auch die Handhabung von Sedierungen sei dadurch verändert worden. Früher sei viel schneller und stärker sediert worden als heute. Es findet also ein stetiger Prozess statt.

Auch mit einem Arzt aus Polen konnte ich ins Gespräch kommen. Er hat auch schon in Deutschland gearbeitet, und hat auf seinen Erfahrungen basierend, den Vergleich aufgestellt, dass die deutschen Pflegekräfte sehr viel unselbstständiger arbeiten müssten als in Polen. In Schottland sei es wiederum so, dass hier viele Aufgaben von Pflegenden übernommen werden, die er gewohnt war selbst zu machen.

Zum Abschluss des Tages durfte ich noch an einer Besprechung des „Critical Care“ Teams teilnehmen. Anwesend waren der „Clinic Director“ und die „Charge Nurses“ von ICU und HDU, Anästhesisten, Ärzte und Oberärzte. Sie treffen sich alle ein mal die Woche um über aktuelle Patienten und Fälle der vergangenen Woche zu sprechen. Auch dies war sehr interessant für mich. Ich freue mich auf weitere ebenso spannende Tage.

Tag 3

Am Mittwoch hatte ich frei, und damit zum ersten mal Zeit mir das Zentrum von Ayr anzuschauen, und an den Strand zu gehen. So habe ich mir St. John's Tower angesehen, den Newton Tower, die alte und neue Brücke von Ayr und die „Auld Kirk of Ayr“. Leider war das Wetter schlechter als die bisherigen Tage, und es wollte einfach nicht aufhören zu regnen. Daher fiel der Ausflug kürzer aus als geplant, es wird aber nicht der letzte gewesen sein.

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