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4. Okt. 2014 [Margarete]

Hei !


In Finnland wird viel Wert auf eine frühe Gesundheitserziehung gelegt. In der Schule gibt es regelmäßig Unterrichtseinheiten zu Gesundheitsthemen und Prävention von Krankheiten. Diese sind sehr beliebt bei den Schülern. Meine Frage an meine finnischen Kolleginnen war, ob die frühe Gesundheitserziehung Einfluss auf den Zeitpunkt und die Häufigkeit einer Arztkonsultation habe. Mir ist nämlich schon aufgefallen, dass viele ältere Patienten selten oder nie vorher in einem Krankenhaus waren und auch erst bei starken Symptomen den Weg in eine Health center angetreten sind. Meine Kolleginnen waren sich jedoch einig, dass es nicht die frühe Gesundheitserziehung ist, die dazu führt, dass Menschen in Finnland erst spät zum Arzt gehen, sondern, dass es sich um eine kulturelle Eigenart der Finnen handelt. Sie seien insgesamt hart im Nehmen und behandeln ihre Symptome lieber erst selbst.

Natürlich kann man meine folgenden Beoabchtungen nicht für ganz Finnland verallgemeinern. Es fällt jedoch auf, dass die finnische Bevölkerung Freude an sportlichen Aktivitäten haben, zudem sieht man kaum adipöse Menschen, in allen Altersgruppen. Vielleicht liegt das doch an der frühen Gesundheitserziehung in Finnland.

Eine weiteres Thema, dass ich mit den Pflegenden hier besprechen konnte war das Thema " Versorgungslage von chronisch kranken Patienten". Erkrankungen wie z.B. Demenz, Asthma oder Diabetes werden in den einzelnen Health centers gut betreut. Patienten werden zu reglemäßigen Kontrollen einbestellt und beraten. Das ist jedoch nicht bei allen chronischen Erkrankungen der Fall. Für epilepsiekranke Menschen gibt es laut der finnischen Kolleginnen kaum Beratungsangebote und Schulungen. Die Betreuung chronisch erkrankter Menschen insgesamt scheint bei uns in Deutschland doch ein wenig besser ausgebaut zu sein. Die Wartezeiten für Diagnostik , OP´s und Beratung sind sehr lang. Hat man die finanziellen Möglichkeiten, dann kann man jedoch ein privates Health center aufsuchen und die Behandlungen selbst bezahlen. Dort geht dann alles etwas schneller. Was akute Erkrankungen und Notfälle angeht, so ist die Versorgung jedoch sehr gut und besonders im Bereich der Neurochirurgie europaweit mit führend. Ist zum Beispiel ein Patient in Lappland erkrankt und der behandelnde Arzt vor Ort möchte sich einen Rat eines Kollegen in Helsinki einholen, so kann sich dieser über ein spezielles Computersystem sofort die Untersuchungsergebnisse, MRT - Bilder etc. ansehen. Es kann also schnell gehandelt werden, der Informationsaustausch klappt weitestgehend einwandfrei. Das zeitaufwändige Anfordern alter Arztbriefe und Untersuchungsergebnisse fällt hier weg. Die Kooperation unterschiedlicher Disziplinen funktioniert gut, immer im Sinne des Patienten.

Ich bin dankbar, so viele Eindrücke sammeln zu können und nehme viele kleine Ideen und Anregungen für mein pflegerisches Handeln und meine Arbeit in der Kinderepileptologie mit.

Eure Margarete

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