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12.03.2014

Fachwissen und wissenschaftliche Erkenntnisse


Allerdings ist es noch nicht hunderprozentig sicher (..ich habe noch keine feste Zusage..).

Doch bevor ich etwas zum RPC schreibe, hier zuerst noch einige Hintergrundinformationen zu meiner Arbeit, dieser Reise und mir:

Die forensische Psychiatrie weist vorwiegend zwei Aufgaben auf, nämlich den Schutz der Bevölkerung und die Therapie und die Rehabilitation psychisch kranker Straftäter. Die genannte Personengruppe geriet aufgrund von Straftaten mit dem Gesetz in Konflikt und sind eine Gefahr für die Öffentlichkeit (vgl. Rask, 2002: 5; Mason, 2002: 511).

Der Maßregelvollzug in der Bundesrepublik Deutschland soll „Sicherheit und [...] Schutz der Allgemeinheit und des Personals der Einrichtungen vor weiteren erheblichen rechtswidrigen Taten" der Rechtsbrecher bieten. Dazu wird die Maßregelung der Besserung und Sicherung der „betroffenen Patientinnen und Patienten durch Behandlung und Betreuung (Therapie)" zur Befähigung, „ein in die Gemeinschaft eingegliedertes Leben zu führen", herangezogen (§ 1 Abs. 1 MRVG NRW).

Der Kommunalverband Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat 13.000 Beschäftigte und ist zuständig für die 8,5 Millionen Menschen der Region. Er betreibt 19 Krankenhäuser, 35 Förderschulen, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Seine Aufgaben liegen im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur. 18 Kreise und 9 kreisfreie Städte sind Mitglieder des LWL, aus ihnen wird der Landschaftsverband getragen und finanziert. Er wird durch ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen kontrolliert (Quelle: http://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?urlID=29986#.UcPpZ5xqPAM, eingesehen am 21.06.2013 um 8:08 Uhr)

Der LWL-Maßregelvollzug bietet ein hoch differenziertes Behandlungsangebot für psychisch kranke, persönlichkeitsgestörte, intelligenzgeminderte sowie abhängigkeitskranke Rechtsbrecher. Die Art und Weise der Behandlung fokussiert auf die Bewältigung der Anlasserkrankung, die Gefährlichkeitsreduktion sowie die Rehabilitation. Pflegende leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Deswegen ist es notwendig, das Bildungsniveau der Pflegenden kontinuierlich zu erhöhen, um eine zeitgemäße und fachgerechte psychiatrisch-forensische Pflege gewährleisten zu können.

Ausgehend von den Behandlungsstrukturen im LWL-Maßregelvollzug habe ich Fragestellungen zur deliktorientierten Milieutherapie (s. Kapitel „Wirklich? Nur noch 2 Tage bis zur Hospitation?") entwickelt, welche die Rollen, Aufgaben und Tätigkeiten von Pflegenden in eben diesen, eingangs genannten, Bereichen wiederspiegeln.

Der internationale fachliche Anschluss und damit verbundenes Verständnis sind enorm wichtig, um dem sich immer komplexer darstellenden Bedarf im LWL-Maßregelvollzug gerecht zu werden:
Stetig steigende Patientenzuweisungen, höhere Verweildauern, die mit Multimorbidität korrelieren, chronische Verläufe und gestiegene Mortalität der Patienten im MRV setzen die Pflegenden immer wieder vor neue Herausforderungen. Darüber hinaus wird der LWL innerhalb der nächsten sieben Jahre Träger von drei neuen Standorten mit bis zu 470 Patienten. Daraus resultiert ein hoher Anspruch an die Personalrekrutierung und dessen Bildung, um die Aufgaben dieses Prozesses bewältigen zu können. Bei abnehmender Anzahl von Therapeuten ist ein Grade- und Skill-Mix zunehmend wichtiger. Dieser wird nicht nur durch Studien, Fort- und Weiterbildung erreicht, sondern auch durch den direkten, international geprägten Erfahrungsaustausch ermöglicht.

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Pfleger in der LWL-Maßregelvollzugsklinik Herne bin ich auf einer Station für Behandlung von Persönlichkeitsstörungen in der direkten Pflegepraxis tätig. Mit weiteren MitarbeiterInnen des Pflege- und Erziehungsdienstes bin ich für die Versorgung und pflegerische Betreuung von etwa 20 Patienten verantwortlich. Zahlreiche, vorwiegend unter Persönlichkeitsstörungen leidende Patienten weisen eine lange Unterbringungsdauer und oft zahlreiche Aufenthalte in diversen psychiatrischen Einrichtungen auf. Die „Unterbringungskarriere" von Menschen in der totalen Institution Maßregelvollzug und Psychiatrie im Allgemeinen (vgl. Goffman, 1973) bringt bei zahlreichen Patienten Hospitalisierungszeichen mit sich, welche im störungsspezifischen Bereich der Persönlichkeitsstörungen zu beobachten sind. Da beispielweise die Befürchtung der Dekompensation bei einzelnen Patienten besteht, werden diese häufig nicht zu Aktivitäten zur Bewältigung des Alltags herangezogen, stattdessen übernehmen Pflegende diese Aufgaben für die Patienten. Jedoch bestehen seitens der Patienten teilweise Ressourcen, welche je nach psychischen Zustand und Tagesform des Patienten genutzt und gefördert werden können. Der Patient kann, bei Bedarf unter Anleitung von Pflegenden, Alltagmaßnahmen bewältigen. Daher besteht der Veränderungsbedarf darin, diese Hospitalisierungserscheinungen abzubauen und Kompetenzen, den Alltag bestmöglich unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsstörung zu bewältigen, zu fördern. Um dies zu erreichen wäre eine Sensilibisierung der Pflegenden hinsichtlich der Hospitalisierungserscheinungen und der möglichen Interventionen wünschenswert. Um den Herausforderungen aus der Hospitalisierung resultierend begegnen zu können, ist zunächst erforderlich, die Rollen und Tätigkeiten der Pflegenden im Persönlichkeitsgestörtenbereich ingesamt zu identifizieren. Da sich die Aufgabe der Reduktion von Hospitalisierungserscheinungen als Veränderungsbedarf und somit als bedeutend darstellt, werden die dazugehörigen Tätigkeiten ebensfalls identifiziert. Unsere persönlichkeitsgestörten Patienten haben in der Vergangenheit aufgrund ihrer Störung Straftaten in erheblichem Umfang begangen. In meinem störungsspezifischen Behandlungsbereich sollen unsere Patienten prospektiv auf das Leben in Freiheit im gesellschaftlichen Kontext vorbereitet werden. Das bedeutet für uns Pflegende den untergebrachten Patienten im Rahmen von sozio-therapeutischer Alltagsgestaltung Struktur zu geben und vorzuleben. Dies zeichnet sich dadurch aus, dass wir die Gestaltung des alltäglichen Lebens unserer Patienten begleiten, beobachten und Rückmeldung bezüglich des individuellen Sozialverhaltens unter Berücksichtigung krankheits- und störungsspezifischer Aspekte geben.

Um eine (soziale) Entwicklung der Patienten zu fördern, ist eine intensive und kritische Rückmeldung bezüglich ihrer Handlungsmuster wichtig - diese erzeugt jedoch häufig Reibung und Widerstand (...ohne Widerstand keine Entwicklung...), welcher dann oft über renitentes Agieren ausgelebt wird. So wird im Alltag immer wieder versucht, die Pflegenden zu manipulieren. Dies geschieht, um z.B. den Eindruck bestimmter Prozessfortschritte therapeutischer Art zu erwecken oder auch, um bestimmte Vergünstigungen, bzw. Lockerungen jeglicher Art zu erhalten. Hier stellt es sich als große Herausforderung für die Pflegenden dar, einerseits mögliche Manipulationen zu erkennen, zu begrenzen und gleichzeitig den betreffenden Patienten ihr Störungsverhalten zu spiegeln. Es geht hierbei darum, diesen meistens kontinuierlich auftretenden Mustern und der damit verbundenen Manifestation und Hospitalisierung entgegenzuwirken, ohne dabei kontraproduktivem Kränkungserleben der Patienten Vorschub zu leisten. Dabei geht es ebenso und
nicht zuletzt um Sicherheit infolge einer Reduktion von Renitenz der Patienten durch Aufbau einer tragfähigen Arbeitsbeziehung zwischen Patienten und Pflegenden.

Goffman, E. (1973): Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. 1. Auflage. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.
LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (2013). Online: http://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?urlID=29986#.UcPpZ5xqPAM (Eingesehen am 21.06.2013 um 8:08 Uhr)
Mason, T. (2002): Forensic psychiatric nursing: a literature review and thematic analysis of role tensions. Journal of Psychiatric and Mental Health Nursing; 9: 511-520.
Maßregelvollzugsgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. Juni 2002 (GV. NRW. 2002 S. 237)
Rask, M. (2002): Swedish forensic psychiatric nursing care, nurse´s views of values theories and practice.
Rask, M.; Brunt, D. (2007): Verbal and social interactions in the nurse-patient relationship in forensic psychiatric nursing care: a model and its philosophical and theoretical foundation. Nursing Inquiry; 14(2).
Internetquelle: http://www.lwl.org/pressemitteilungen  /mitteilung.php?urlID=29986#.UcPpZ5xqPAM (Eingesehen am 21.06.2013 um 8:08 Uhr)

(Selbst-) Identifikation und Wahrnehmung, Gesprächsbereitschaft und Kommunikation sind die wichtigsten Werkzeuge der forensisch-psychiatrisch Pflegenden im Persönlichkeitsgestörtenbereich, mit denen im Pflegealltag subjektiv erfolgreich gearbeitet wird. Leider gibt es in der Bundesrepublik (noch) wenig Instrumente, um diese Eigenschaften zu messen und zu kanalisieren.

Um den genannten Herausforderungen begegnen zu können, müssen die Rollen und Tätigkeiten der Pflegenden im Persönlichkeitsgestörtenbereich identifiziert werden. Da sich die Aufgabe der Reduktion von Hospitalisierungserscheinungen als bedeutend darstellt, sollten insbesondere die dazugehörigen Tätigkeiten der Pflegenden identifiziert werden. Die aus der Hospitation resultierenden Erkenntnisse könnten als Grundlage dienen, um Pflegende für ihre Rollen und Tätigkeiten insgesamt und in Bezug auf Hospitalisierungserscheinungen der Patienten zu sensilibisieren.

Langfristig könnte damit bei Pflegenden ein Bewusstsein für Hospitalisierungserscheinungen und für die Förderung und Schaffung von Ressourcen der Patienten geschaffen werden. Indem Pflegende aktiv den Pflegeprozess hinsichtlich der Ressourcenförderung bei hospitalisierten Patienten gestalten, könnten Hospitalisierungserscheinungen forensischer Patienten abgebaut werden.

Die Hospitation in Kanada hat daher zum Ziel Grundlagen zur Bearbeitung meiner Fragestellungen zu schaffen. Nach Rezeption aktueller Literatur gehe ich davon aus, dass sich die deliktorientierte Milieutherapie (s. Kapitel „Wirklich? Nur noch 2 Tage bis zur Hospitation?") als ein gutes Instrument zur Lösung der fortlaufenden Probleme im forensischen Alltag darstellt. Falls im kanadischen Raum vorhanden, sollen Pflegekonzepte zu dieser Therapieform identifiziert werden. Gegebenenfalls werden diese Konzepte modifiziert, ergo an die forensischen Bedingungen unserer deutschen Arbeitsbereiche angepasst.

Ich würde mir wünschen, die jahrzehntelange Erfahrung der auf diesen Bereich spezialisierten Kanadier zu nutzen und bezüglich meiner Fragestellungen Pflegekonzepte, Stellenbeschreibungen, Leitfäden für pflegegestützte Gruppen und vielleicht sogar standardisierte Handlungsoptionen nach Deutschland transferieren zu können. Diese „Produkte" aus meiner Arbeit in Kanada, würden wir im Gesamtbehandlungsteam auf Anwendbarkeit im Alltag prüfen und gegebenenfalls sukzessive im Pflegeprozess installieren.

Von Vorteil wäre auch, dass die Bewertung und Evaluation von neu implementierten Maßnahmen stets im Vergleich mit den Ergebnissen und Erfahrungen der kanadischen Kollegen erfolgen könnte (...aus der Praxis für die Praxis...). So könnten die Ergebnisse, bzw. Produkte im direkten Vergleich genau und nachvollziehbar auf Effizienz und Machbarkeit geprüft werden.

Ich würde Ergebnisse auch gerne mit eigenen Ideen und Vorstellungen verbinden, wenn möglich: So könnten z.B. die Wahrnehmung von Rollen der
einzelnen Mitarbeiter untereinander intern temporär beobachtet und gespiegelt werden, um ein besseres „Gefühl" für die eigene Rolle auf der Station zu bekommen. Dies könnte zur Ergänzung der von extern angebotenen Supervision zur Identifikation und Professionalisierung der forensischpsychiatrisch Pflegenden beitragen.

Vor allem aber wünsche ich mir eine Verbesserung der Wahrnehmung meiner Berufsgruppe in Bezug auf Hospitalisierungserscheinungen von Patienten und glaube, dass diese mit dem eigenen Rollenverständnis einhergeht. Die zu definierende Rolle des jeweiligen Pflegenden kann nach Bedarf z.B. in das Pflegeassessment „eingebaut" werden, um so die Interaktion des betreffenden Patienten mit seinem sozialen Umfeld noch individueller bewerten und fördern zu können.

Letztendlich würde dieser Umstand meiner Meinung nach eine schnellere Rehabilitierung der Patienten mit sich bringen. Ein besseres Rollenverständnis der forensisch-psychiatrisch Pflegenden würde außerdem die Professionalisierung der Pflege weiter ausbauen.

Die forensische Psychiatrie in Kanada zeigt sich seit den 50er Jahren als Vorreiter der evidenzbasierten und humanen Unterbringungsform, Behandlung und Rehabilitation. Das Gesundheitssystem ist sozialistisch geprägt und für eigenständige Organisation bekannt, außerdem setzt es Schwerpunkte auf die Evaluationsforschung. Der kanadische Raum bietet sich zur Beantwortung der Fragestellung an, da im Rahmen der systematischen Literaturrecherche inbesondere dort relevante und qualitativ wertvolle Studien veröffentlicht wurden. Die Pflegewissenschaft wie auch andere Professionen im kanadischen Raum scheinen sich im Vergleich zum deutschsprachigen Raum eingehender mit den Fragestellungen zu beschäftigen.

In der Provinz Saskatchwan bildet das Regional Psychiatric Centre (RCP) die zentrale Versorgungsorganisation für die gesamte Provinz. Sie ist segmentarisch aufgebaut nach Störungsbildern, Versorgungs- und Sicherungssegmenten. Ich hoffe, dass meine Fragen hier zielgerichtet beantwortet werden können. Darüber hinaus würde ich gerne Praxis abbildende und Praxis strukturierende Instrumente kennenlernen, die gegebenenfalls auch für die forensisch-psychiatrische Pflege in Deutschland von Bedeutung sein könnten.

  

Heute habe ich wieder einige Vorlesungen besucht, zwischendurch immer wieder am Blog gearbeitet.

 

Viele liebe Grüße nach Deutschland und dem Rest der Welt! - see you! Stefan

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