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11./12.05.2013 - Tag 11+12

Einwände gegen Recovery


Heute wollte ich euch die Top Ten der Einwände gegen Recovery vorstellen. Die Top Ten habe ich unter anderem in einem Vortrag von Michaela Amering gefunden, den sie im Jahr 2008 in Bielefeld gehalten hat.

  1. Recovery bedeutet zu hohe Risiken einzugehen. Es impliziert die Befürchtung, dass später die „professionellen Helfer“ zur Rechenschaft gezogen werden, obwohl die Entscheidungen eigenverantwortlich von der Person getroffen werden.
  2. Recovery entwertet die professionellen Anstrengungen. Die „professionellen Helfer“ haben eine jahrelange Ausbildung gemacht und nun sollen die Menschen ohne Ausbildung Entscheidungen treffen. Das impliziert auch die Sorge nicht mehr gebraucht zu werden, wenn die Menschen, jetzt ohne Hilfe recovern können.
  3. Recoveryorientierung kann man nicht abrechnen und ist nicht evidenz-basiert.
  4. Recovery kann nur durch die Schaffung neuer Einrichtungen erreicht werden. Wenn Gelder zur Verfügung gestellt werden, kann das über Recoveryzentren erreicht werden.
  5. Recovery kann nur als Resultat von Krankheits- und Behandlungseinsicht entstehen. Wenn jemand nicht das Gefühl hat eine Erkrankung zu haben kann man mit ihm auch nicht darüber sprechen zu recovern.
  6. Recovery in der Psychiatrie ist eine verantwortungslose Modeerscheinung, die die Menschen zum Scheitern führt.
  7. Recovery geschieht im Leben einiger weniger Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen.
  8. Recovery bedeutet, dass die Person geheilt ist.
  9. Recovery-orientierte Behandlung trägt zur weiteren Belastung von professionellen HelferInnen bei, die ohnehin bereits mehr leisten müssen als ihr Ressourcen erlauben.
  10. Recovery ist nichts neues, das machen wir seit Jahren.

Und konntet ihr Euch in den letzten zwei Wochen, in den ich über Recovery schreibe, irgendwo wieder finden? Ich denke, dass ich einige der Einwände bereits versucht habe zu widerlegen. Einige Aussagen möchte ich nun kommentieren. 

  • Aussage zwei wird von den Betroffenen sehr unterschiedlich gesehen. Einige recovern mit Hilfe psychiatrischer Fachkräfte, einige ohne und einige trotz der Hilfe. Dennoch sehe ich die Partizipation nicht als Entwertung, sondern als notwendige Aufwertung und als Anspruch an die Arbeit die Menschen mit ihren Entscheidungen zu begleiten.  
  • Aussage 3 kann ich entkräften, indem Recovery zwar an sich keine evidenz-basierte abrechenbare Intervention ist. Es gibt jedoch evidenzbasierte und möglicherweise abrechenbare Interventionen, die Recovery fördern können. Es bleibt die Frage, ob immer alles evidenzbaisert sein muss?! Immerhin hat die DGPPN Recovery in der aktuellen S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen zum Ziel aller psychosozialen Interventionen gemacht (http://www.dgppn.de/publikationen/leitlinien/leitlinien1.html).
  • Sicherlich ist es wie in Aussage 5 geschildert schwieriger mit jemand an einem Recoveryprozess zu arbeiten, wenn jemand „einsichtig“ ist, dass er eine Erkrankung hat. Aber was bedeutet es überhaupt einsichtig zu sein? Gibt es überhaupt die eine Definition von Erkrankung die richtig ist und in die man einsichtig sein muss? Ist es nicht eher eine Arbeitshypothese a la ICD-10 oder DSM-IV? Ich habe hier erlebt, dass man mit den Menschen dann eben auf anderen Wegen gearbeitet hat und es nicht Krankheit genannt hat. Jeder Mensch hat Ziele und Träume und die Helfer versuchen kreativ zu sein, wie man den Menschen helfen kann, die Ziele zu verwirklichen. Das geht dann häufig auch mit Symptommanagement oder ähnlichem einher. Und mir selbst ist im Grunde egal oder mein Gegenüber sein Erleben auch als Depression oder auch als Schizophrenie beschreiben möchte oder andere Worte findet. Außerdem haben wir ja von Phil Barker und seinem Tidal-Model (http://www.tidal-model.com/) gelernt, dass wir die Menschen die eigene Sprache benutzen lassen sollen und nicht unseren psychiatrischen Jargon auferlegen sollen. Das Gezeitenmodell war übrigens das erste Recoverymodell für psychische Gesundheit.  
  • Aussage 7 kann durch Langzeitstudien mit einer großen Population entkräftet werden. Dazu in den nächsten Tagen mehr.
  • Aussage 8 ist ja eher die eingangs beschriebene symptomfokussierte Definition und weniger die personenzentrierte Version auf die die Literatur sich bezieht.
  • Zu Aussage 9 möchte ich hinzufügen, dass es nicht mehr Zeit benötigt um "Recovery" zu leben. Es ist eine Haltungsänderung.
  • Gleiches gilt für Aussage 4. Das Gebäude ist bestimmt nebensächlich, wenn die Haltung der Menschen, die darin wirken stimmt und recoveryorientiert ist.  
  • Aussage 10 stimmt sicherlich teilweise, da einige Instrumente, die man unterstützend einsetzt sicherlich aus einigen anderen Denkschulen oder anderen Interventionen bereits bekannt sind.

Michaela Amering hat übrigens gemeinsam mit Margit Schmolke ein sehr gutes Buch mit dem Titel „Recovery – Das Ende der Unheilbarkeit“ geschrieben, das letztes Jahr in einer neuen Auflage erschienen ist. Wer sich ein bisschen in das Thema einlesen möchte, dem kann ich das Buch nur empfehlen. Neben Basiswissen ist sind einige Recoverygeschichten und Recoveryprojekte beschrieben http://www.psychiatrie-verlag.de/buecher/detail/book-detail/recovery-the-end-of-unhealingness.html.

Nun sitze ich im Hostel, wasche meine Wäsche (muss ja auch mal sein) und bereite mich auf den morgigen Tag vor. Zudem muss ich noch einige weitere Praktikumspunkte organisieren. Morgen habe ich erneut einen Termin im Center for Psychiatric Rehabilitation. Das wird sicher wieder sehr spannend.

Da bei mir ja noch Sonntag ist darf ich allen Müttern (vor allem natürlich meiner) noch einen wundervollen Muttertag, und allen Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, Krankenschwestern/Krankenpflegern, AltenpflegerInnen usw. einen tollen „Nursing-Day“ wünschen. Habe schon gelesen, dass Herr Müller ihn auch in der FH zelebriert hat. Ich hoffe, dass ihr Euch alle mal auf die Schulter geklopft habt. Da der Tag international ist, ist er natürlich auch in den USA bekannt. Dazu passend habe ich in der letzten Woche dieses T-Shirt (s. Foto) entdeckt. Heute bin ich in der U-Bahn mit einem hiesigen Studenten ins Gespräch gekommen. Als er hörte was ich beruflich mache, hatte er tatsächlich Sorge, dass ich seine Gedanken lesen könnte. ;)

Eure Regine

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