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Die Hospitation wurde ermöglicht durch Visit- soziotherapeutische Pflege GmbH.

09.05.2013 - Tag 9

Metro Suburban Recovery Learning Community


Ich war zunächst etwas aufgeregt, da ich nicht wusste, wie ich dort als „professionelle Helferin“ empfangen werde. Ich hatte die Befürchtung vielleicht kritisch beäugt zu werden, da ich keine Psychiatrieerfahrene bin (aber das kann ja jeden im Leben mal treffen, also vielleicht auch mich). Die Befürchtung war vollkommen umsonst. Wie ich nun mal bin, war ich zwanzig Minuten zu früh dort und wollte mir im Aufenthaltsbereich vor dem Eingang noch die Zeit vertreiben. Ich habe mir von einem Flyerstand schon einige Infoblätter genommen und wollte mich etwas einlesen. Um mich herum saßen drei Männer, die mich direkt begrüßten, sich vorstellten und fragen, ob heute mein erster Tag bei der RLC sei. Als dann die Tür zu den Räumlichkeiten der RLC geöffnet wurde (sie haben werktags von 10-17 Uhr geöffnet), riefen sie freudig „Ja, die RLC ist jetzt geöffnet“ und es nahm mich jemand mit und stellte mich sofort allen vor. Als ich dann sagte, dass ich die Krankenschwester aus Deutschland bin, wurde ich sofort total herzlich empfangen und habe dann die Personen kennengelernt, mit denen ich zuvor telefoniert habe. Eine von Ihnen, E., hat einige Zeit in Österreich gewohnt. Ich hatte als Gastgeschenk Mozartkugeln mitgebracht und sie hat sie sofort für sich beansprucht und hat sich riesig gefreut, dass Marzipan enthalten ist, da man hier kaum Marzipan kaufen kann. Ich habe mich direkt adoptiert gefühlt. Immer wenn ich einen Anflug von Heimweh verspüre, fahre ich in die Einrichtungen und werde so herzlich aufgenommen, dass das sofort verfliegt. E. hat mir Infomappen gegeben, die auf die neuen Teilnehmer bekommen, wenn sie erstmals zur RLC kommen, und mich durch die Räume geführt und mir alles gezeigt. Beim Durchgang konnte ich eine kleine Kunstausstellung mit Bildern der Teilnehmer sehen. Einer von ihnen ist Fotograf und hat gerade seine Bilder gerahmt und mir direkt eine DVD geschenkt mit Arbeiten von ihm. Ich hoffe, dass ich die in Deutschland öffnen kann. Im gleichen Gebäude ist auch eine Kriseninterventionsstation und psychiatrische Klinik. E. sagte mir, dass diese aber nicht schön sei. Der Garten sei wie ein Käfig in dem man eigentlich Giraffen vermuten würde statt Menschen. Ich erzählte ihr von der anderen Klinik, die ich besichtigt habe und sie sagte, dass es hier ähnlich sei. Sicherheitssysteme und hohe Zäune. :(

Nach der Führung wurde ich dann zu einer Veranstaltung namens „Stories Moving you forward to the next level“ gebracht, die es seit 15 Jahren gibt. Der Schwerpunkt liegt eigentlich darauf, dass Psychiatrieerfahrene ihre Recoverygeschichten berichten können. Heute lag ein zusätzlicher Fokus auf dem Thema Arbeit, Jobsuche und Ausbildung. Zuerst konnte ich einen Arbeitgeber (da ich später dazugestoßen bin, kann ich leider nicht sagen aus welcher Sparte)hören, der dafür geworben hat, dass sich Menschen mit einer psychischen oder anderen Erkrankung gern bei ihm bewerben können. Er sagt, dass dies häufig „die besten Arbeiter sind, die er je beschäftigt hat, da sie die Passion und das Herzblut haben die Arbeit gut zu leisten.“ Danach hat jemand eine Art Bewerbungstraining gemacht und Empfehlungen für Vorstellungsgespräche gegeben. Anschließend haben drei Menschen in einer Art Symposium ihre Recoverygeschichte erzählt und berichtet, was ihnen geholfen hat wieder in Arbeit zu finden und wie ihnen nun die Arbeit hilft einen Sinn zu haben und gesund zu bleiben. Eine junge Frau, schätzungsweise 22 Jahre alt, berichtete, dass sie es nach einer langen Zeit, in der sie sich durch ihre Erkrankung schwer beeinträchtigt gefühlt hat, nun wieder zum College geht. Ihr Ziel ist es Sozialarbeiter zu werden. Sie sagte, „dass das College kein Rennen ist und sie es einfach langsam angehen lassen will und Schritt für Schritt ihr Ziel verfolgen will.“ Anschließend wurde ich wieder in die RLC geholt. Dort fand eine Gruppe namens „Personal Development“ statt. Das heutige der Thema der Gruppe war Recovery und Medikamente. Auf mehreren Flipchartbögen waren verschiedene Statement über Recovery und Medikamente zu sehen über die die Teilnehmer diskutiert haben. Das hat mir nochmal gezeigt, dass wirklich die Psychiatrieerfahrenen selbst die Experten ihrer Erkrankungen sind. Es war so eine hohe Kompetenz und Power in diesem Raum zu spüren und eine immense Expertise. Es wurde sehr reflektiert und kritisch diskutiert. Initial ging es um Recovery. Einer der Teilnehmer sagte, dass es für ihn keine Heilung von psychischen Erkrankungen gibt. Er sagte, dass er sein Leben lang Symptome haben wird und auf Medikamente angewiesen sein wird. Ein anderer sagte dann, dass es eine Definitionssache sei. Wenn man unter Recovery versteht, dass man glücklich ist und sein Leben neu entdeckt hat und ein zufriedenes Leben mit guten Beziehungen führt, dann ist das für ihn Recovery. Wenn man unter Recovery versteht, dass man wieder der alte ist, der man zuvor war, dann ist Recovery für ihn nicht möglich. Er meinte, dass man nie wieder der alte ist, weil die Krankheit jemanden verändert, indem man sich weiterentwickelt und er möchte diese Entscheidung nicht mehr missen. WOW! Das ist doch mal ne Definition von Recovery, oder nicht?! Danach ging es wie schon gesagt um das Thema Medikamente. Es kam heraus, dass eigentlich niemand gern Medikamente nimmt und jeder von ihnen eine Zeit brauchte um das für ihn richtige herauszuarbeiten. Aber wenn man es dann gefunden hat, kann man es als Werkzeug in sein Leben einbauen. Es wurde auch über den Begriff Compliance diskutiert. Viele waren der Ansicht, dass es wichtig ist compliant (schreibt man das so?) zu sein. Was sich deutlich heraus kristallisierte, war, dass die Menschen in ihrem behandelnden Psychiater einen Partner haben wollen. Eine Teilnehmerin berichtete, dass sie sich durch ein Medikament sehr beeinträchtigt gefühlt hat und ihrem Arzt gesagt hat, dass sie es gern absetzen und etwas anderes austesten würde. Er riet ihr zunächst es nicht zu tun. Als sie aber sagte, dass sie die Nebenwirkungen nicht tolerieren kann sagte er: „Okay, wir sind ein Team. Wir werden zusammen herausfinden, was besser hilft.“ Das war es, was alle gut fanden und teilweise auch so erlebt haben – teilweise auch nicht. Ich hoffe, dass das irgendwann eine Selbstverständlichkeit sein wird!! Das Thema Medikamente wurde sehr breit diskutiert. Von Neurotransmittern, über persönliche Erfahrungen und andere Copingstrategien bis hin zum Placebo-Effekt. Jeder hat sich beteiligt. Es war wirklich toll und brauchte keinen professionellen Helfer, im Gegenteil. Ein professioneller Helfer hätte eine entscheidende Qualität nicht mit einbringen können: Die eigenen Expertise. (Es sei denn das der professionelle Helfer selbst mal eine seelische Krise hatte. Davor ist ja niemand gefeit.) Das bestätigt erneut die Meinung in der Recoveryliteratur, dass einige Menschen wegen und einige Menschen trotz einem professionellen Hilfesystem recovern können.

Im Anschluss daran habe ich beim Essen bei den Teilnehmern im Gruppenraum gesessen. Mir wurde extra ein Sandwich bestellt, dass ich auch trotz mehrfachem Anbietens nicht selbst zahlen durfte. Viele der Teilnehmer erzählten mir in diesem Zusammenhang ihre zum Teil tragischen Geschichten. Als ich sie fragte was die RLC ihnen gibt, sagten viele: „Das ist mein Leben“. Es gibt ihnen Sicherheit. Ein Teilnehmer erzählte mir, dass er während seines Krankenhausaufenthalts sehr von den Peers profitiert habe und dadurch gesund geworden ist. Als er dann nach Hause kam, war da niemand mehr. Dann hat er die RLC kennengelernt. Wenn man hierher kommt, ist immer jemand da der einen herzliche begrüßt und der einen versteht. Sie alle haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Er fragte mich, ob ich mich schon mal schwer depressiv gefühlt habe und ich musste es verneinen. Dann sagte er, dass das eben der Unterschied sei. Den Peers müsste er nicht umständlich erklären wie es sich anfühlt. Daher mag er es hier zu sein.

Beim anschließenden Peer Support Meeting treffen sich die Teilnehmer und jeder der möchte kann ein aktuelles Thema einbringen. Die Themen waren total unterschiedlich. Es ging um Camping, um Muttertag und um zukünftige Jobs. Eine Teilnehmerin hat stolz erzählt, dass sie gerade ihren Führerschein macht und vom Fahrlehrer gelobt wurde. Dann kam der Vorschlag, da ich ja nun dabei bin, zu berichten, was die RLC für die einzelnen bedeutet. Die RLC bedeutet zusammengefasst für die Menschen hier, dass jemand da ist, der sie versteht. Sie isolieren sich nicht mit. Hier können sie sein wie sie sind, ohne verurteilt zu werden. Sie fühlen sich sicher und können über ihre Probleme sprechen und wissen, dass es in diesem kleinen Kreis bleibt. Viele von ihnen kommen jeden Tag und haben Freunde gefunden. Und es gibt ihnen Hoffnung hier zu sein. Es war so toll, diese völlig unterschiedlichsten Menschen zusammen zu erleben. Jung, alt, dick, dünn, schwarz, weiß, groß, klein – in einer phantastischen Gemeinschaft.

Anschließend fand ein neugegründeter Poetry Workshop statt. Ich bin diesbezüglich leider traumatisiert von einer Vorabi-Klausur, einem zu analysierenden Gedicht über mushrooms und einem englisch-englisch-Dictonary aus dem ich stundenlang nicht rausbekommen habe was mushroom heißt. :) Zugegeben bin ich auch hier sprachlich etwas an meine Grenzen gekommen, habe aber auch ein kleines Gedicht geschrieben. Das enthalte ich Euch aber vor. :) Hier hat man gemerkt, dass es auch darum geht einfach zusammen zu sein und etwas neues zu lernen und Normalität zu leben.

Alles in allem war das ein super schöner Tag mit so herzlichen Menschen, die mich sofort aufgenommen haben. Eine jüngere Teilnehmerin wollte am liebsten, dass ich noch länger bleibe, aber mein letzter Zug hat das verhindert. Es war beeindruckend wie feinfühlig die Menschen aufeinander achten und füreinander sorgen und wie respektvoll und hilfsbereit sie miteinander umgegangen sind. WOW! Ich bin echt dankbar hier einen Tag dabei gewesen zu sein. Ich wurde danach sogar noch zum Bahnhof gefahren. Der Tag hat mal wieder die Wichtigkeit von Peer Support gezeigt, der zukünftig unbedingt Einzug in die psychiatrischen Systeme halten muss. Die Art und Weise kann dabei ja durchaus unterschiedlich sein und auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt sein. Aber diese Ansprechpartner bieten den Menschen eine andere Qualität des Austauschs, der ihnen nicht vorenthalten werden sollte. In Europa gibt ja das wunderbare Leonardo Da Vinci-Pilotprojekt namens Experienced-Involvement, indem psychiatrieerfahrene Menschen eine Ausbildung machen können um andere Menschen durch ihre Expertise auf ihrem Recoveryprozess zu unterstützen. http://www.ex-in.info/.

Schließen möchte ich heute mit einem Recoveryzitat von Albert Camus: 'Im tiefsten Winter fand ich heraus, dass ich, tief in mir, einen unsterblichen Sommer mit mir trug.'

Eure Regine

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