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07.05.2013 - Tag 7

Psychiatrische Klinik in Boston


Sie haben sich erst einige Male im Krankenhaus getroffen, haben dann einige Außenaktivitäten zusammen gemacht. Nach einer Weile haben sie sich die zukünftige Wohngruppe gemeinsam angesehen. Die nächsten Schritte waren, dass R. dort zum Lunch oder Dinner etwas Zeit verbracht hat, später eine Nacht und noch später ein Wochenende dort verbringen durfte. Dann dürfen die Klienten die letztendliche Entscheidung treffen, ob sie dort wohnen möchten. Zugegeben, manchmal gibt es dann auch kaum eine andere Alternative. Nachdem ganzen Procedere ist R. dann gestern dort eingezogen und heute fand das erste Assessment statt und R. durfte sagen an welche  Zielen sie hier in der Wohngruppe arbeiten möchte und in welchen Bereichen sie Unterstützung möchte. Es war etwas schwierig, da R. sich von einer Person, die in der Vergangenheit für sie wirklich existiert hat, jetzt aber reel nicht existiert, bedroht fühlt. Zudem möchte sie keine Medikamente einnehmen. Sie ist Krankenschwester und kennt sich mit den Medikamenten sehr gut aus. Jill beschrieb, dass das in ihrem Fall sowohl ein Vor- als auch ein Nachteil ist. Sie kann zum Einen gut für sich eine Anwaltschaft übernehmen, andererseits sei deutlich zu sehen, dass sie nicht so ängstlich ist und sich weniger von der Person aus ihrer Vergangenheit bedroht fühlt, wenn sie die Medikation nimmt. Interessant zu sehen war, wie sie über R. sehnlichsten Wunsch wieder zu arbeiten mit ihr über die „Symptome“ ins Gespräch und in Beziehung gekommen sind. Es hat mich ein bisschen an das holistische Assessment von Phil Barker erinnert (nur das Jill die schicken roten Schuhe fehlten). Zudem erinnert mich die Arbeit an den Zielen der Menschen ein bisschen an das was meine Kommilitonen über das CRA-Modell (Community Reinforcement Approach) berichten. Sofern ich das richtig verstanden habe, prüfen sie beim CRA mit Hilfe einer Happiness –Scale, die sie gemeinsam durchgehen, in welchen Punkten die Person zufrieden und in welchen unzufrieden ist. Dann versuchen die nach und nach die Punkte, in denen eine Unzufriedenheit besteht zu bearbeiten. (@Christiane: Ich hoffe, dass ich das richtig verstanden habe?!). Hier ist es ähnlich. Die Hauptziele sind hier die Menschen zurück in die Gesellschaft zu integrieren, die bei jeder Entscheidung partizipieren zu lassen, sie die Ziele selbst definieren zu lassen. Es ist, wie ich bereits sagte, ein sehr personenzentrierter Ansatz und die Verantwortung wird die ganze Zeit an die Klienten zurück gegeben und sie werden angeregt, dass sie ihr Leben selbst gestalten.

Das zeigt ganz deutlich das zweite Treffen am heutigen Tag. Das fand in Krankenhaus statt, aber dazu später. Das verdient einen eigenen Abschnitt. In dem Gespräch, dass Jill mit ihrer Klientin K., die zur Zeit im Krankenhaus ist, geführt hat, war geprägt von Vertrauen. Die beiden kennen sich über Jahre. K. war sehr verunsichert, da sie am Freitag, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, ihren Wohnort wechselt. Sie brauchte sehr viel Rückversicherung. Sie fragte häufig, ob sie das richtige tut und wollte von mir wissen, wie ich die Einrichtung fand in die sie ziehen wird, da ich sie ebenfalls besichtigt habe. Jill meldete ihr stets zurück, dass sie nicht weiß, ob es die richtige Entscheidung ist. Es sei ihr Leben und sie habe die Entscheidung getroffen. Wenn ich das so schreibe klingt es, als wäre Jill nicht überzeugt von dem Wechsel und als wäre es ihr egal. So soll es nicht rüber kommen. Es war geprägt von Sicherheit und Jill hat ihr immer wieder versichert, dass sie jede Unterstützung erhält, die sie benötigt. Jill signalisierte und sagte aber mehrfach, dass K „im Führersitz ihres Lebens“ sitzt und sie (Jill) jegliche Entscheidung mittragen wird. K. war sehr nervös und ängstlich, aber sie sagte zu Jill, dass sie sich durch Jill sicher fühlt und dass Jill für sie wie Weihnachten und Ostern zusammen ist. Das war sehr rührend.

Nun zu meiner angekündigten Tour durch das psychiatrische Krankenhaus. Schon als wir in die Straße, einbogen war ich geschockt. Es ist schön und schrecklich zugleich. Jill hatte mir morgens über Google Bilder von diesem neu gebauten Krankenhaus mit 12 Stationen gezeigt und es machte einen wirklich schönen Eindruck. Shari sagte immer, dass sie sofort dort einziehen würde, wenn sie dort Apartments hätte, da es wie eine Shoppingmall wirkt. Aber als wir in die Straße einbogen, habe ich bereits die hohen Sicherheitszäune, die oben auf dem letzten Meter nach innen gerichtet sind, gesehen, die das Krankenhaus umgaben. Und das erste was mir über die Lippen kam war: „It looks like a jail!“ Leider hat sich dieser Eindruck durch das gesamte Krankenhaus gezogen. Wir konnten das Krankenhaus nicht normal betreten. Wir mussten durch eine Schleuse gehen. Erst als sich die erste Tür hinter uns geschlossen hat, konnten wir durch die zweite Tür gehen. Es fehlte noch ein Metalldetektor. Dann bekamen wir vom Pförtner Besucherpässe, die gleichzeitig als Schüsselkarten dienten, die wir uns um den Hals hängen mussten. Alle Mitarbeiter hatten eine solche Schlüsselkarte um den Hals hängen und man konnte stigmatisierender Weise direkt unterscheiden, wer hier arbeitet und wer hier als Patient „untergebracht“ ist. Ich finde unsere Schlüssel ja schon schlimm. Dann mussten wir uns in Unterschriftenlisten eintragen. Es kommt noch schlimmer. Nach jedem Flurabschnitt stand jemand mit einem Klemmbrett mit ominösen Listen und Funkgeräten. Es schien als würden sie aus Hilfsbereitschaft fragen, wo wir hin möchten um uns den Weg zu zeigen. Aber ich konnte den Eindruck von ständiger Kontrolle nicht loswerden. Auf der Station selbst stand am Eingang ebenfalls eine Art „Wächter“ mit Klemmbrett und Funkgerät bewaffnet. Jill sagte ihm wen wir besuchen wollten und er fragte, wo wir sie treffen wollten. Im Besucherraum oder auf ihrem Zimmer? Wir gingen in den Besucherraum, aber die Tür schien die ganze Zeit geöffnet bleiben zu müssen, obwohl es draußen störend laut war. Das erste was K, die Klienten, die zurzeit, die Rolle der Patienten einnehmen muss, sagte war: „Ich bin es müde hier zu sein. Bitte hol mich am Freitag hier heraus.“ Und das in einem flehenden Ton und sie weiderholte es mehrfach (sicher auch, weil sie nervös wegen des Wohnortwechsels ist). Bei einem Blick auf die Station schien auch alles abgeschlossen. Auf dem Flur liefen Menschen ohne Karten, die aussahen, als hätten sie durch diverse Medikamente Bewegungseinschränkungen um es verhalten auszudrücken. Ich habe mich nicht getraut irgendwelche Fotos von innen zu machen, aus Angst verhaftet zu werden. Wer möchte kann sich über diesen Link ein YouTube-Video ansehen http://www.youtube.com/watch?v=bXtjgzTPe1A. Sie haben ein bisschen von den Kontrollinstanzen abgelenkt. ;)      

In den öffentlichen Bereich sieht es tatsächlich aus wie in einer Mall. Dort gibt es in Kino, einen Friseur, zwei Cafés und ein Bekleidungsgeschäft. Die Patienten können sich etwas Geld verdienen, indem sie dort arbeiten. Schön ist, dass alle ein Einzelzimmer und ein eigenes Bad haben. Auch die Parks und das Basketballfeld sind schön, wenn man es schafft diesen grauenhaften Zaun zu ignorieren. Es gibt sogar eine eigene Gerichtsabteilung dort für Anhörungen. Ich habe noch nicht ganz ermitteln können, ob dort auch forensische Patienten untergebracht sind. Aber ich werde es noch für Euch herausfinden. Und in der letzten Woche habe ich immer nur gehört, dass die Menschen, wenn sie ins Krankenhaus müssen, Monate da sind. Alle 12 Stationen in diesem Gebäude sind geschlossen. Für die Ausgänge gibt es eine Ampelregelung – grün: Man darf in die Stadt gehen und alles außerhalb erledigen; bis rot: Man darf die Station nicht verlassen. Aber auch, wenn man einen grünen Ausgangsstatus hat, darf man nur mit Hilfe dieser „Wärter“ von der Station. Eigentlich ist es schade. Das Gebäude ist wirklich brandneu. Die Möbel und Farben sind super schön und es könnte wirklich ein Platz sein, an dem man sich wohlfühlen kann, sofern das in einem psychiatrischen Krankenhaus geht. Aktuell sind noch keine Bilder an den Wänden, sollen aber noch kommen. Es ist sicher eine riesen Verbesserung zu dem alten Gebäude, dass ich aber nur von außen sehen konnte. Es schien aus den 60er/70er Jahren zu sein. Aber ich konnte dieses Gefühl vom Gefängnis nicht loswerden und war irgendwie froh wieder draußen zu sein. Jill sagte mir, dass sie mit dem neuen Krankenhaus auch ihre Haltung ändern wollen und sich hin zu einem recoveryorientierten Service bewegen wollen. Aber ob das nicht nur Alibipolitik ist und der Name Recovery Hospital vor der Tür der einzige Recoveryanteil ist?! Jill sagte, dass sie noch nicht perfekt sind, aber ihre Sache ganz gut machen. Ich kann natürlich nur von diesem zwanzig minütigen Eindruck berichten, aber ich wünsche niemandem da rein zu müssen. Shari fragte mich später, als wir sie im Büro getroffen haben, ob ich nun verstehen kann warum sie dort ein Apartment haben möchte. Ich musste das ganz klar mit NEIN beantworten. Ich liebe meinen Arbeitsplatz nun umso mehr. Das sind übrigens Shari und ich im Büro von Alternatives Unlimited am Standort in Worcester. Eine Deutsch-Amerikanische Nursing-Kombo. :)

So, jetzt mach ich noch einen kleinen Spaziergang um den Block und nutze das Wetter. Für morgen ist erstmalig Regen angesagt. Morgen werde ich übrigens den "Agency Training Day" von Alterntives besuchen, dem alle schon entgegen fiebern. Ich werde einen Kurs besuchen der "Exploring Heathy Living" heißt. Ich bin gespannt. Ihr auch? 

Eure Regine

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