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06.05.2013 - Tag 6

Von der FH-Diakonie nach Harvard

Heute bin ich wieder bei Alternatives Unlimited in Worcester gewesen und habe mir ein weiteres Programm angesehen – Adult Family Care (http://www.alternativesnet.org/services/adult-family-care/). Dies ist ein Programm für Menschen, die in mindestens einer Aktivität des täglichen Lebens Unterstützung benötigen und nicht in der Lage sind alleine zu leben. Shari und ich haben zwei Klienten besucht, die gemeinsam in einer Familie leben. Beide sind psychisch erkrankt und haben zuvor in Wohngruppen gelebt. Beide haben bislang in den Wohngruppen wenig aktiv mitwrken können  und brauchten eine Menge Unterstützung in alltäglichen Aktivitäten (vor allem bei der täglichen Hygiene, die für beide aufgrund von Inkontinenz schwierig ist), dass die Wohngruppe langfristig keine geeignete Unterkunft für sie war. Die drohende Alternative wäre eine Art Altenheim gewesen. Die beiden „Caregiver“ J. und T., haben beide bei Alternatives Unlimited gearbeitet und kennen Mary und Michael seit Jahren. Sie entschieden sich als Paar dafür die beiden bei sich aufzunehmen und in ihrem Haus für sie zu sorgen. An den Wochenenden wird die Familie durch zwei Kinder ergänzt, die unter der Woche bei T.s Ex-Frau leben. Zudem pflegt J. zusätzlich im gleichen Haus ihren Onkel. Das war so umwerfend zu spüren mit welcher Energie und mit welcher Herzlichkeit Jessy, die beiden in das Familienleben einbindet. Sie hat uns ein Video gezeigt indem die beiden Kinder auf einer Geburtstagsfeier mit M. und M. spielen. Die beiden lieben die Kinder und fiebern auf die Wochenenden hin und wollen die Kinder mit von der Schule abholen. M. hat uns stolz ihre Bücher,- Platten- und DVD-Sammlung gezeigt. Beide haben durch diese unkonventionelle Wohnform so einen Benefit bekommen und ihr Gesundheitszustand (sie haben auch diverse somatische Erkrankungen) hat sich durch den Wohnformwechsel immens verbessert. J. ganze Familie hat die beiden herzlich aufgenommen und sie hat sogar ihre Arbeit dafür aufgegeben. J. beschrieb, dass man beiden deutlich anmerkt, dass sie sich wohlfühlen und es als ihr zu Hause ansehen. Alternatives unterstützt auf diese Weise 12 Menschen. Die Familien, die jemanden aufnehmen, bekommen pro Monat und pro Person ca. 1200$ dafür. Dafür berichtete J. mir, dass sie am Tag nie fünf Minuten zur Ruhe kommt und man merkte, dass es ein full-time-job ist. Es sollte mehr Menschen wie J. geben, die so etwas mit einer solchen Hingabe wie sie tun. Ich habe vollsten Respekt davor und ziehe meinen Hut und sage ganz ehrlich und nachdem ich M. und M. kennenlernt habe, dass ich persönlich so etwas (im Moment)  nicht könnte. Shari hat mir bereits letzte Woche erzählt, dass es schwer ist Familien zu finden, die dies machen wollen. Oft sind es Verwandte der Menschen oder Mitarbeiter von Alternatives, die dies machen. Wenn jemand Interesse an einem Beispiel für Adult Family Care hat, ist hier ein schönes Video einer Alternatives-Klientin in einer Familie:  http://www.alternativesnet.org/gails-story/

Am Nachmittag haben wir uns drei weitere Wohngruppen angesehen und mit Bewohnern gesprochen. Eine von ihnen hat sich sehr gefreut und lange daraufhin gearbeitet, dass sie nun in wenigen Wochen in eine eigene Wohnung ziehen kann und nur noch wenige Male pro Woche Unterstützung erhält, statt 24h am Tag 365 Tag pro Jahr. In einer der Wohngruppen wurde ich als Deutsche auch jetzt das erste Mal von einem Bewohner auf den zweiten Weltkrieg angesprochen mit den Worten: „I loved the second worldwar.“ Ich habe schon darauf gewartet wann der erste so etwas anspricht. Eine andere Bewohner fragte mich woher ich komme. Als ich antwortete sagte sie, dass das ja eigentlich auch egal sei, da wir ja trotzdem alle gleich sind.

Eine Begegnung hat mich erneut umgehauen und sich als gelebtes Recovery herauskristallisiert. E. lebt in einem der unterstützenden Wohnprogramme, das denke ich grob vergleichbar mit unserem Ambulant Betreutem Wohnen ist. Er hat ein eigenes Apartment und bekommt einmal wöchentlich oder bei Bedarf Besuch von Alternatives. Über 23 Jahre lang hat er als Obdachloser auf der Straße gelebt und war drogenabhängig. Nun ist er stolz darauf seit 18 Monaten clean zu sein. Er verdeutlichte mir den spirituellen Aspekt von Recovery. Er ist ein sehr gläubiger Mensch und besucht regelmäßig die Kirche und die christlich orientierten Anonymen Alkoholiker. E. berichtete uns, dass er an Ostern einen Engel gesehen hat. Dieser habe ihm verdeutlicht, dass er die Probleme nicht länger vor sich hertragen soll, sondern sie verinnerlichen und bearbeiten soll, damit er seine Geschichte aufarbeiten kann. Er berichtete uns, dass er nun ein neues Leben angefangen hätte. Er erarbeitet gerade mit seiner Bezugsbetreuerin von Alternatives einen Copingskill-Plan und nutzt diesen intensiv um mit seinen Halluzinationen umzugehen. Er zeigte uns stolz einen Hefter den sie zusammen erarbeitet haben – einen WRAP (Wellness, Recovery, Action, Plan) und führte uns durch sein Apartment. Er sagte, dass er durch seinen Glauben und durch den Engel hoffnungsvoll fühlt und es ihm seither und ohne die Drogen viel besser geht. Interessant an den Menschen, die ich hier in den verschiedenen Programmen kennenlerne ist, dass es nicht darum geht alle Symptome der Erkrankung auszumerzen. Niemand hat ihn ins Auto gesteckt und zu seinem Arzt gefahren um die neuroleptische Medikation zu erhöhen (wobei Shari dafür auch zuständig wäre die Medikation anzupassen). Und naja, warum soll jemand nicht auch an Engel glauben dürfen??? Vielmehr versucht man zu verstehen, was für einen Sinn die Symptome haben.

Des Weiteren habe ich Shari gefragt, ob die Menschen hier sich die Zuzahlung für die Medikamente die sie verschrieben bekommen leisten können. Gelegentlich erleben wir es in Deutschland ja, dass eine weitere Einnahme daran scheitert. Sie sagte, dass 99% der Menschen in ihrem Programm im gestern beschriebenen medicaid-System versichert sind, weil sie wenig Geld zur Verfügung haben und in diesem Fall nur $1-2 zu bezahlen müssen. Privatversicherte zahlen ca. $5-10 je nach Produkt dazu. Das ist für die meisten erschwinglich. Des Weiteren sind die Programme offen gegenüber allen Meinungen über Medikamente. Es wird auch toleriert, wenn sich jemand entscheidet keine zu nehmen. Es gibt aber Adherenceprogramme wobei ich hier noch nicht mit meinen Fragen in die Tiefe gegangen bin.

Morgen werde ich unter anderem eine der gefürchteten Kliniken zu sehen bekommen, da eine der Alternatives-Klienten gerade dort behandelt wird. Man erklärte mir, dass dieses Krankenhaus frisch renoviert und vergleichbar gut sein soll. Es soll allerdings aufgebaut sein, wie eine Shoppingmall. Ich bin gespannt. Shari berichtete mir, dass Alternatives ein stufenweises Notrufpiepersystem hat, das von allen Klienten und Programmen von Alternatives genutzt werden kann. Sie selbst hat phasenweisen den Pieper der letzten Stufe und erklärte, dass dieser nur im äußersten Notfall klingelt, wenn jemand zum Beispiel in die Klinik oder ins Gefängnis musste. Im Nachgang finde ich es ganz schön krass das im selben Atemzug zu erwähnen. Daher bin ich umso gespannter auf die Klinik. Heute habe ich Shari gefragt was für sie ein Grund ist jemanden ins Krankenhaus einzuweisen und welche Menschen in welchen Lebenssituationen dort stationär behandelt werden. Sie nannte mir im Grunde unsere PsychKG-Bedingungen sprich, wenn man selbst- und/oder fremdgefährdend ist. Die Einweisung kann dann sowohl freiwillig als auch unter Zwang stattfinden, wenn der worst-case eintritt.

By the way noch eine kurze Info: Hier ist es so, dass die Menschen erst in eine Fachabteilung für Psychiatrie in ein Krankenhaus der Allgemeinversorgung eingewiesen werden. Sollte die Behandlung länger als eine Woche dauern, werden sie dann in eine rein psychiatrische Fachklinik verlegt. Marianne sagte, dass es hier in Boston ca. 400 vollstationäre Behandlungsplätze für 2 Millionen Menschen gibt!!! An dieser Stelle möchte ich nochmal auf den Beitrag von Freitag und die geschockten Kommentare zu unseren stationären Bettenzahlen in der BRD hinweisen.

Ich habe das mit dem Blog scheinbar mit dem Roman schreiben verwechselt. ;) Ich wünsche Euch einen guten Start in die Woche.

Eure Regine

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